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Multitasking

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Multitasking ist, wenn Sie beim Fernsehen Zeitung lesen, Ihrer Liebsten einen Apéritif servieren und zugleich Spaghetti kochen. Sowas schafft heutzutage jeder, schliesslich lebt und arbeitet der moderne Mensch simultan, ganz nach dem Motto: Es gibt viel zu tun, machen wir’s gleichzeitig! Autofahren und telefonieren zum Beispiel. Oder Mails checken und mit verstopften Ohren (Kopfhörer!) über den Fussgängerstreifen eilen ...

Doch es gibt eine Gattung von Menschen, die sind unschlagbare Weltmeisterinnen im Multitasking: die jungen Mütter. Das schöne Wetter der vergangenen Tage hat sie vor besondere Belastungsproben gestellt.

Junge Mütter sind die unschlagbaren Weltmeisterinnen des Multitasking.

Wer mit zwei Kleinkindern, einem Kinderwagen von SUV-Format die besonderen Komforteigenschaften unserer öffentlichen Verkehrsmittel geniesst, zugleich die hämischen Kommentare der Kantonsschüler reinzieht, die zwar mitfahren, aber beim Ein- und Aussteigen nicht helfen – dieser Mensch erfährt am eigenen Leib, welche Fülle von Optionen das moderne Leben bereit hält.

Das mitgeschleppte Zubehör würde ohne weiteres für eine Himalaya-Expedition ausreichen: geraffelte Bio-Gemüse-Snacks im Tupperware, Pulli, Überzieherli, Reserve-Söckli, Wickelgarnitur, Feuchttüchlein, die nach Chriesi riechen, der Lieblings-Teddy – und immer was zu trinken.

Im Stadtpark oder im «Sporrer», in der «Sagi» Bertschikon oder wo immer sonst noch gastfreundliche Menschen Stühle und Bänke bereitgestellt haben, rotieren die Stereo-Mütter weiter. Kann der Nonno mal den Kleinen übernehmen? Aber gern, solange ihm die Sonne nicht ins Gesicht scheint, denn dann fängt der Kleine an zu krähen. Die Dreijährige rast zur Rutschbahn, der Älteste hat zu warm und benötigt Garderoben-Service, und zwar subito. Junge Mütter sind stets im Laufschritt unterwegs.

Bekannte von uns führen einen Landgasthof. Sie haben zwei herzige Buben. Die tüchtige Mutter hat die Grenze zwischen Multitasking und Kinderarbeit längst verwischt. Der Ältere darf jetzt einfachere Sachen servieren, jedenfalls dort, wo die Einheimischen sitzen, und er ist stolz wie Anton.

Die jungen Mütter haben nie Pause. Ihre Augen kreisen im 360°-Modus über die Szene. Wer hat wieder ein Problem? Jetzt kommt die Glacé in ulkigen Gefässen. Der Kleine erwischt Elvis, die Grössere Lady Gaga. Tauschen? Es wird laut ...

Junge Mütter haben immer zu tun. Abends müssen sie nudelfertig sein. Aber dann kommt ja der Göttergatte heimund fragt: «Hesch es sträng gha?»

(Der Landbote)

Erstellt: 22.02.2019, 19:50 Uhr

Karl Lüönd ist Journalist und Publizist.
(Bild: Johanna Bossart)

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