Tribüne

Null-Sieben-Neun

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In ihrem grossen Sommerhit <079> bemühen sich Lo und Leduc um die Handy-Nummer einer Frau, die sie gerne näher kennengelernt hätten.

Weil sie das in ihrem Lied so hartnäckig tun, reicht das im medialen Sommerloch bereits für einen Sexismus-Vorwurf. Dabei hat sie die Dame mit der Bemerkung «die Nr. beginnt mit 079» sogar regelrecht veräppelt und selbst dumm dastehen lassen, und sie ist ja notabene eine Erfindung der beiden Düpierten selbst. Bestenfalls hat sie ihren Telefonanbieter preisgegeben, aber nicht einmal das ist heute mehr gesagt.

«Hurra! Der Ruefer ist drauf und der Salzgeber und der Thurnheer»

Ich hatte früher ein ähnlich gelagertes Problem. Ich wollte mein Mobil-Telefon wenn möglich nur innerhalb der Familie und des engsten Arbeitskreises beim Fernsehen einsetzen. Nun war es so, dass für das «Sportpanorama» an jedem Wochenende eine Liste mit allen in irgendeiner Form Beteiligten inklusive deren Telefonnummern erstellt wurde. Das war praktisch, handlich und arbeitssparend.

So weit, so gut. Nun liess aber regelmässig einer der rund 50 Mitarbeiter in der Hitze des Gefechts oder nach geschlagener Interview-Schlacht die nun nicht mehr benötigten Papiere irgendwo liegen, auf der Tribüne, im Presseraum, auf einem Gartentisch, vom Winde verweht in irgendeiner Strassenecke.

Dort wurden sie dann von einem neugierigen Zeitgenossen entdeckt, aufgegabelt, gelesen und triumphierend nach Hause getragen. «Ich habe die privaten Telefonnummern von allen bekannhten TV-Stars! Hurra! Der Ruefer ist drauf und der Salzgeber und der Thurnheer, einfach alle!»

Ja, und früher oder später folgte dann jeweils das Unvermeidliche: Der glückliche Finder wollte natürlich herausfinden, ob da nun wirklich «der vom TV» abnehmen würde, wenn er anrief:

  • «Thurnheer?»
  • Stille. Hintergrundgeräusche. Gelächter. Aufgelegt.

Das Ganze wiederholte sich meistens so lange, bis ich nicht mehr antwortete. Seither nehme ich überhaupt nur noch Gespräche entgegen, deren Initianten ich an Hand meiner gespeicherten Kontakte erkennen kann. Alle andern kommen nur zum Ziel, wenn sie mir auf der Combox eine Mitteilung hinterlassen, aus der hervorgeht, weshalb sie mich gerne sprechen würden.

Vielleicht mache ich ja ausnahmsweise einmal eine Ausnahme, und sei es auch nur aus Unachtsamkeit. «Eine Sportpanorama-Telefonliste» auf Papier existiert allerdings nicht mehr, das läuft heute alles übers Internet. Sie müssten also schon einem Fernsehreporter während seiner Arbeit heimlich über die Schulter in den Computer schauen.

Wenn Sie also, liebe Leserin, lieber Leser, auch einmal so etwas Tolles erleben möchten wie einen Prominenten, der am Telefon seinen Namen nennt: Meine Handy-Nr. lautet: Null-Sieben-Acht-Tüüt-Tüüt-Tüüt… (landbote.ch)

Erstellt: 07.09.2018, 11:09 Uhr

Bernard Thurnheer ist Sportreporter und wohnt in Seuzach. (Bild: jb)

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