Tribüne

Pizza und Pommes

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Wenn Sie diese Zeilen lesen, dringt bei mir vermutlich gerade ohrenbetäubende Musik durch die geschlossene Kinderzimmertür – und das 5-jährige Mädchen singt lauthals mit: «Pizza, Pizza, Pizza, so tuet mer brämse, Pommes, Pommes, Pommes, so gitt mer Gas!» Seit zwei Monaten ist meine Tochter Groupie der Kinderband «Tischbombe».

Nicht nur sie kann unterdessen alle Songs auswendig, ich kann es auch. Der Wintersport-Popknaller mit dem eingängigen Pizza-Pommes-Refrain hat es ihr besonders angetan und es ging nicht lange, bis sie mir stolz erklärte, was mit Pizza und Pommes gemeint sei.

Skifahrenlernen war eine Qual – ich fühlte mich im dicken Ganzkörper-Skianzug wie eine kugelrunde ungelenke Schneekugel.

Dass ich dabei tatsächlich Neues von ihr erfuhr, zeigt, wie lange meine eigene Skifahr-Zeit zurück liegt: Das war damals, als ich im türkisen Skianzug in der Skischule ausgerechnet dann aufs Klo musste, als der Skilehrer nach endloser Warterei endlich abfahren wollte. Damals, als sich während dem Fahren konstant meine dicke Brille beschlug. Das war damals, als ich – das pummelige Kind – nach Stürzen nicht mehr aus dem Schnee hoch kam.

Und eben: Damals, als die «Pizza» noch Stemmbogen hiess und die «Pommes» Parallelfahrt. Diese frühkindlichen Traumata im unschuldigen Schnee liegen mehr als drei Jahrzehnte zurück. Damals war das Skifahrenlernen eine Qual für mich – neben den oben genannten Gründen auch, weil ich mich im dicken Ganzkörper-Skianzug fühlte wie eine kugelrunde ungelenke Schneekugel. Skifahren war darauf bald schon Schnee von gestern.

Als ich es etwa 30 Jahre später, als längst erwachsene Frau, noch einmal versuchte, war auf einen Schlag alles wieder da: Das Schneekugel-Gefühl, die beschlagene Brille, das hilflose Liegen im Hang. Und nun steht da also meine Tischbomben-Fan-Tochter mit vom Singen und Tanzen roten Backen aufgeregt vor mir und fragt: «Mami, wänn törf ich äntlich mal id Ski-Schuel? D’Alina und d’Ella chönd scho lang Skifahre!»

Während sie mich erwartungsvoll anstrahlt und ich leer schlucke, kommt mir plötzlich der Eltern-Ratgeber von Myla und Jon Kabat-Zinn in den Sinn: «Mit Kindern wachsen». Vielleicht meinen die beiden gar nicht, dass man gemeinsam wächst, sondern wachst: die Skis. Und dabei über seinen Schatten springt. Als hätte es nie ein Vorleben auf den Brettern gegeben.

Wer weiss, vielleicht gibt es am Idiotenhügel demnächst Pizza und Pommes für Tochter und Mutter. Den Soundtrack dazu beherrsche ich immerhin schon! (Der Landbote)

Erstellt: 01.02.2019, 13:38 Uhr

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