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Plötzlich Urmensch

Wenn ein Baby da ist, ergeben sich im Alltag ganz neue Fragestellungen. So muss beispielsweise herausgefunden werden, welche Verrichtungen des Haushalts sich mit nur einer Hand erledigen lassen. Und was der Nachwuchs, auf dem Arm thronend, dabei alles toleriert.

Auf einmal erscheint der italienische Kaffeekocher ungewohnt kompliziert. Und der Espresso, den man so sehr begehrt, in weiter Ferne.

Die Überforderung ist eigentlich ein Spiel, das man annehmen und geniessen sollte.

Dauernd wird man von Problemstellungen überrascht, auf die man spontan keine Antwort weiss – etwa wie so ein Baby wohl am besten zu wägen wäre. Weder die Küchenwaage noch die Waage im Bad hat einen passenden Aufsatz. Das steht fest.

Also kreisen die Gedanken um alle möglichen Gegenstände, die geeignet wären, das Kind auf der Waage zu halten, ihm Führung und Ruhe zu geben. Diesen Gegenstand würde man dann noch separat wägen, und das Gewicht vom total abziehen. Voilà!

Es ist eine Art Rückversetzung in die Conditio Urmensch. Nicht alles, aber vieles muss neu erfunden werden. Die Aufgabe, die so ein kleiner Mensch stellt, ist offen formuliert, sie lädt ein, eigene Antworten zu finden. Die Überforderung ist eigentlich ein Spiel, das man annehmen und geniessen sollte. Es ist eine Gelegenheit, etwas Verlorenes wiederzuerlernen, nämlich selbst über Hindernisse nach­zudenken. So wohnt in der Kreativität der Kleinfamilie das Potenzial, etwas an den Problemen der Welt zu ändern.

Den ominösen Gegenstand, der dem Baby Halt gibt und auf die Waage passt, haben wir übrigens identifiziert: Wir sind einfach selbst mit auf die Waage gestanden.

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