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Es ist eines unserer am weitesten verfehlten Erziehungsziele: dass alle unsere Töchter alle Gerichte freudig essen – oder wenigstens ohne zu murren verdrücken (zum Beispiel auch Gemüse). Dabei mangelt es nicht an Einsatzbereitschaft unsererseits. Unermüdlich bringen wir neue Kreationen auf den Tisch, mit Kräuterkruste à la Annemarie Wildeisen oder mit karamelisierten Rüebli à la Jamie Oliver als Beilage. Es nützt nichts. Die Lieblingsspeisen der Kinder bleiben «Spaghetti Bolo», Omeletten und Käsehörnli – Letztere immerhin mit Apfelmus.

Auch in den Sommerferien in Frankreich war es uns eine Herzensangelegenheit, dass die Kinder in der Strandbeiz an der Côte d’Azur nicht einfach einen Teller Teigwaren herunterschlingen, sondern einen frisch gefangenen Fisch bestellen. In diesem Fall weniger aus Furcht vor einer drohenden Mangelernährung, vielmehr aus der missionarischen Überzeugung heraus, dass zu einer Reise auch kulinarische Ausflüge dazugehören.

Die Resultate der Experimente waren ernüchternd. Zum Fisch hiess es etwa ganz einfach (und zutreffend), er schmecke ja wie ein Fisch. Zum Genuss einer Auster liess sich nur eine Tochter überreden. Ihr Urteil: «Gruusigs Gschlüder.» Wirklich etwas speziell war der Verzehr einer sogenannten «bulot» (ein Meeresgetier namens Wellhornschnecke), diese Delikatesse hat, das mussten selbst wir Eltern zugeben, die Konsistenz eines Gummiballs und den Geschmack eines alten Küchenlappens. Als dann auch noch die Serviererin eingestand, dass sie «bulots» für ungeniessbar halte, waren die Versuchsreihen mit Meeresfrüchten abgeschlossen.

Im Hinterland versuchten wir es dann noch mit französischem Käse. Mit dem Ergebnis, dass eines der Kinder ein Stück intensiv duftenden Camemberts in hohem Bogen in die Blumenrabatte eines Restaurants spuckte.

Dieses Stückchen französische Hochkultur war damit immerhin fachgerecht entsorgt. Im Gegensatz zu den anderen Leckereien, die grossteils auf den Kindertellern liegen blieben. Das war dann das einzige messbare Resultat aller kulinarischen Eskapaden: Da ich dem Vaterreflex folgte, alles aufzuessen, was liegen bleibt, brachte ich nach den Frankreichferien über zwei Kilo mehr auf die Waage. (Der Landbote)

Erstellt: 04.09.2018, 08:50 Uhr

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