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Raserstrecken als Goldesel für die Gemeinden

Regionalredaktor Markus Brupbacher über Strecken der Region, auf denen das zu schnelle Fahren scheinbar Tradition ist und ihre Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen.

Markus Brupbacher

In den Gerichtssälen von Andelfingen und Winterthur könnten die Redaktorinnen und Redaktoren des «Landboten» ihren Schreibblock und Kugelschreiber jeweils gleich liegen lassen, der Grund: Ein Raserprozess jagt den nächsten. Es wird gerast in der Region, was das Zeug hält, auch im neuen Jahr. So fand am Donnerstag am Bezirksgericht Andelfingen erneut eine solche Gerichtsverhandlung statt, gegen Ende Januar gleich noch eine.

Es wird gerast in der Region, was das Zeug hält, auch im neuen Jahr.

Und in beiden Fällen ist der Tatort derselbe: die Irchelstrasse bei Berg am Irchel. Man kann diese Strasse fast schon als traditionsreiche Raserstrecke bezeichnen. In der Region gibt es noch zwei weitere solche Strecken, wo Raser immer wieder geblitzt werden und sich danach vor Gericht verantworten müssen: die Steinerstrasse bei Ossingen zwischen Gisenhard und Waltalingen sowie die Schaffhausenstrasse zwischen Neftenbach und Aesch.

Berg am Irchel, Neftenbach, Ossingen: Was haben diese drei Gemeinden denn gemein? Steuerfüsse von 98, 107 und 99 Prozent – also teils deutlich tiefer als der Durchschnitt in der Region von 111 Prozent. Warum haben sie so gesunde Finanzen, so tiefe Steuerfüsse? Hmm, Zeit für eine verwegene Verschwörungstheorie: Das Geld der Blitzkästen fliesst klammheimlich in die Kassen dieser drei Gemeinden.

Ein Vorbild für nicht auf Rosen gebettete Gemeinden, die auch schnurgerade Raserstrecken haben: Sie dürfen sie dem Kanton melden, der sie nach einer aufwendigen Prüfung in den Richtplan als «Zertifizierte Strassenabschnitte für Tempoexzesse» (sog. ZSTX) einträgt. Danach wird eine fixe Radarfalle montiert. Gehen später die Exzesse und Einnahmen zurück, springt der Kanton mit Ausfallszahlungen ein.

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