Marathon

René, der faulste Schweinehund, ist leider mein Freund

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Achtung, Binsenweisheit: Jeder hat einen inneren Schweinehund. Ich für meinen Teil habe eine tiefe Freundschaft mit ihm geschlossen und nenne ihn vertrauensvoll René. Warum? Weil ich glaube, dass auch Schweinehunde Gefühle haben. Und wenn man seinem Schweinehund schon Namen gibt, dann sollte es einer voller Respekt und Achtung für diese edle Spezies sein. Denn entgegen dem schlechten Ruf sind es doch eigentlich ganz liebe, possierliche Tierchen.

René und ich leben gut zusammen, ich pflege ihn, im Gegenzug nervt er mich wenig und lässt sich auch gerne mal am Bauch kraulen. Und doch frage ich mich manchmal: Braucht nicht auch eine gesunde Mensch-Schweinehund-Beziehung ab und an neue Impulse? Gemeinsame Erlebnisse für eine gute Beziehung? An einem faulen Sonntag schaute ich vor kurzem René zu, wie er auf dem Rücken liegend nach meinem letzten Stück Döner-Pizza grapschte und dabei beinahe sein Dosenbier verschüttete. Also gut: ein Halbmarathon, da werden wir zwei uns ganz neu kennen lernen.

Ich schob das misstrauische Knäuel Schweinehund vor mich her.

René trottete neben mir her, als ich am letzten Dienstagabend beim Leichtathletikstadion am Deutweg aus dem Bus stieg. Ich schlenderte, betont ungefährlich in Richtung Umkleideräume. «Ist da dieser neue Pizza-Truck?», fragte René und schnippte seine Zigarette weg. «Die Chancen stehen nicht schlecht», log ich. Dummer René. Ich schob das misstrauische Knäuel Schweinehund vor mich her unter das Tribünendach.

Dort standen Läufer in engen Hosen und leichten Schuhen. Die Trainingsgruppe, die sich auf den Winterthur-Marathon oder -Halbmarathon vorbereitete. René riss die Augen auf. «Ich hab so ein Ziehen im Bauch!», rief er mit zitternden Schnauzhaaren. «Ich glaub, heute besser nicht.» René ist nämlich nicht irgendein Schweinehund, sondern der ungekrönte König der Ausreden. Ich reihte mich in die Trainingsgruppe ein, die locker loslief. René verbiss sich in meine Wade.

Er stolperte wüst fluchend hinter mir her. Soll er sich mal nicht so anstellen. Ich werde diese 21,0975 Kilometer am 26. Mai laufen, und wenn ich das blöde Mistvieh auf dem Bauch mitschleifen muss. Es ist schliesslich für sein Bestes.

Der Autor bereitet sich mithilfe der Winterthurer Laufgruppe Finishers und ohne die Hilfe von René auf den Halbmarathon in Winterthur vor. Ob das klappt, lesen Sie bis dahin in der Kolumne.

Erstellt: 21.05.2019, 12:20 Uhr

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