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Schrödingers Seife

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Der Physiker Erwin Schrödinger hat sich in den Dreissigerjahren ein berühmtes Gedankenexperiment ausgedacht, in dem er sich fragte, wie man bestimmen kann, wie lange eine Katze, die zusammen mit radioaktivem Material in einer Kiste steckt, lebendig ist oder nicht.

Eine schwierige Frage. Weil nämlich der radioaktive Zerfall ein Phänomen der Quantenmechanik ist und weil es in der Quantenmechanik nicht nur eindeutige Zustände gibt, sondern widersprüchliche Zustände sich auch überlagern können, so müsste man folglich auch von der Katze sagen, dass sie zugleich lebendig und tot ist.

Schrödinger wollte mit diesem Gedankenspiel zeigen, dass Phänomene der Quantenmechanik, in der etwas zugleich sein und nicht sein kann, sich nicht einfach übertragen lassen auf unsere Lebenswelt.

So gleiten wir unter der Dusche allmählich ins Reich der Quantenmechanik

Aber ist denn die Uneindeutigkeit, um die es bei «Schrödingers Katze» geht, tatsächlich nur auf die Quantenmechanik beschränkt? Das hab ich mich gefragt, als ich heute Morgen unter der Dusche stand und in der Seifenschale die letzten Krümel Seife zusammengekratzt habe.

Wann, so habe ich mir nämlich überlegt, ist die Seife eigentlich noch da und wann ist sie weg? Da war doch anfangs ein handlicher Block, aber nach wochenlangem Gebrauch wird die Seife immer weniger, und wir fangen uns zu fragen an, ob wir nun eine neue auspacken sollen oder ob der Rest der alten noch für eine Waschung reicht.

Interessanterweise dauert dieser Zustand der Unklarheit erstaunlich lange, mitunter sogar wochenlang. «Ich glaub, das Stücklein reicht grade noch» sagen wir uns, weil wir zu faul sind, die Dusche abzustellen und tropfend zum Badezimmerschränklein zu hüpfen und eine neue Seife zu holen.

Und weil wir natürlich auch nach der Dusche schon nicht mehr daran denken, dass wir doch eigentlich eine neue Seife hatten auspacken wollen, geht es am nächsten Morgen genau gleich weiter. So gleiten wir unter der Dusche allmählich ins Reich der Quantenmechanik und waschen uns mit einer Seife, die zugleich da und nicht da ist.

Wundern tut mich indes, dass dem Physiker das nicht auch schon aufgefallen ist und er sich stattdessen diese verrückte Katzenidee ausdenken musste. Ob es daran liegt, dass Schrödinger nur selten geduscht hat und nie mit Seife? Auch auf diese Frage wird es wohl keine abschliessende Antwort geben.

Erstellt: 30.10.2019, 14:33 Uhr

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