Lomo

Sehnenprobleme überall

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Diese Kolumne schreibe ich mit links. Das ist nicht etwa metaphorisch gemeint. Schön wärs, dass mir nach bald tausend «Lomo»-Folgen (ja, so viele sind es unterdessen tatsächlich) das Schreiben ganz von allein gelingen würde. In Wahrheit wird es im Gegenteil tendenziell immer schwieriger. Nein, ich schreibe diese Kolumne ganz konkret mit links, weil ich mir nämlich an der rechten Schulter eine Tendovaginitis zugezogen habe. Das klingt exklusiv, ist aber eine ganz hundskommune Sehnenscheidenentzündung und maximal unpraktisch für einen Schreiberling wie mich. Vor ­allem aber ist es erstaunlich schmerzhaft, wie meine Gattin heute Morgen erfahren musste, als ich beim morgendlichen Mich-wälzen-und-dabei-auf-die-Schulter-Rollen plötzlich so aufjaulte, dass sogar der Wecker verstummte beziehungsweise nicht mehr zu hören war.

Ich hab mich dann zum Arzt ­geschleppt, wobei ich extra früh anfangen musste, mich ausgehfertig zu machen. Eine Jacke anziehen mit einem rechten Arm, der nicht zu gebrauchen ist, erweist sich nämlich als regelrechte Bastelarbeit, wie ich heraus­gefunden habe, und sieht zwar im Spiegel lustig aus, fühlt sich aber nicht so an.

Interessanterweise hatte der Arzt ebenfalls mit Behinderung zu kämpfen. Im Gesundheitszentrum steigt nämlich das interne Computersystem im Fünf-Minuten-Takt aus, was einerseits zu einem massiv erhöhten Post-it-Verbrauch im Sekretariat führte, wo nun alle Termine auf Zettelchen aufgeschrieben wurden, andererseits aber auch zu mehr Zeit mit der Ärztin. Weil sie nämlich ihr Computerprogramm für die Rezeptverordnung immer wieder neu starten mussten, hatten wir mehr Zeit miteinander zu reden, was eigentlich sehr schön war. Ich hab mir überlegt, ob nicht eigentlich insgesamt die medizinischen Untersuchungen, sowohl was ihre Genauigkeit als auch was die ­soziale Verbundenheit zwischen Arzt und Patient angeht, gewaltig profitieren würden, wenn die ­digitalen Tools öfter mal nicht funktionieren würden.

Als ich dann aber gehört habe, welchen Namen das labile Computerprogramm trägt, traute ich meinen Ohren nicht. Ausgerechnet «Achilles» haben die Informatiker es getauft, wo doch der Achilles weniger durch seine Stärke als vielmehr für seine Schwachstelle an der Ferse berühmt geworden ist. Da hatten wir also beide mit Sehnenpro­blemen zu kämpfen, ich an der Schulter und die Ärztin an der Achillesferse ihres Betriebs. Ich hätte sehr gelacht, wenn das ­Lachen nicht so wehtun würde. Immerhin wusste ich dannnoch im Behandlungszimmer, worüber ich anschliessend meine Kolumne schreiben würde, mit links. (Landbote)

Erstellt: 09.01.2019, 09:26 Uhr

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