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Sehnsuchtsort Flughafen

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Ich wohne nur 30 Kilometer vom internationalen Flughafen Zürich-Kloten enfernt. Eine besondere Attraktion war in meiner Jugend ein Sonntagsausflug dahin, einfach um «Flugzeuge schauen zu gehen».

Auf der damals noch neuen Terrasse liessen sich die Starts und die Landungen gut beobachten, vor allem aber bekam man die an den Fingerdocks abgestellten Düsen-Jets von relativ nahem zu sehen. Eine Sensation! Die Faszination zu Beginn des Booms der zivilen Luftfahrt war gross. Vielleicht habe ich deshalb ein positives Empfinden für die Flughäfen entwickelt.

Ich bin wohl nicht der Einzige, der die ganz besondere Stimmung in einem grossen Flughafen liebt. Hier sind alle fremd und damit keiner. Das Unterwegssein, nach dem Einchecken nur noch mit leichtem Gepäck, eint die Menschen.

Man fühlt sich privilegiert. Nur für Passagiere!

Die meisten scheinen sich sehr wohl zu fühlen. Bald werden sie in alle vier Himmelsrichtungen auseinanderstreben. Ein tüchtiger Zug von Freiheit weht durch die Hallen. Die grossen Anzeigetafeln, auf denen die vielen Destinationen und Abflugszeiten aufgelistet werden, verkünden die verheissungsvolle Botschaft: Von hier aus kann man an (fast) jeden Ort auf der ganzen Welt fliegen. Wenn das kein Fernweh auslöst!

Eine junge Kollegin trieb eine Zeit lang dieses kribbelige Gefühl auf die Spitze, indem sie sich am ersten Ferientag vor eben diese Anzeigewand stellte und sich vom Gefühl des Augenblicks inspirieren liess. Vielleicht war ja kurzfristig auf diesem Flug noch ein Platz frei? Meistens klappte es!

Als Besitzer eines Tickets taucht man jenseits der Sicherheiits- und Grenzkontrollen in eine eigene Welt ein. Man fühlt sich privilegiert. Nur für Passagiere! Die Läden, die Restaurants, die Teppiche, der Marmorboden: Alles exklusiv, alles luxuriös. Die Duty-Free-Shops sind fast schon ein Muss. Sind all die Zigarren, Uhren und Süssigkeiten wirklich billiger als anderswo? Nicht immer, aber wer will sich dieses weltmännische Gefühl schon nehmen lassen…

Auch wenn ich im Leben die meisten Flugzeuge aus beruflichen Gründen bestiegen habe, bleibt der Flughafen für mich ein Synonym für Ferien, Unbeschwertheit und die schönste Zeit des Jahres. Der Bahnhof des Flughafens lag zwischen meinem Wohnort und dem Fernsehstudio in Zürich, und hier stieg ich aufs Tram um. Täglich vermischten sich deshalb meine Wege kurz mit denjenigen der Fluggäste, und jedes Mal bekam ich dadurch eine Prise «Duft der grossen weiten Welt.»

Oft war ich auch froh dem allgemeinen Rummel sogleich wieder entfliehen zu können. Denn auch das Schlangestehen vor der Gepäckaufgabe, bei der Sicherheitskontrolle und beim Einsteigen gehören dazu und sind manchmal recht mühselig. Alles in allem aber bleibe ich dabei: Der Flughafen ist ein ganz besonderer Sehnsuchtsort.

Erstellt: 20.09.2019, 13:11 Uhr

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