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Speed

Zum Thema schlechte Vorbilder: Was den Umgang mit dem Handy betrifft, bin ich sicherlich ein ganz schlechtes Beispiel. Dauernd ­tippe ich an dem Ding herum. Neuerdings sogar auf der Ski­piste. Grund dafür ist die App «Ski Tracks», die mir ein Kollege empfohlen hat, mit der sich jede Abfahrt und jede Kurve eines Skitags messen, abspeichern und statistisch auswerten lässt.

Besonders angetan hat es mir dabei die Tempomessfunktion. Eine Schussfahrt macht doppelt Spass, wenn man danach auch noch genau weiss, dass man mit einer Geschwindigkeit von exakt 75,0 Stundenkilometern unterwegs war. 75! So schnell wie ein Auto – ausserorts.

Die Wirkung dieser App auf die Kinder war voraussehbar. Nachdem ich das Tempo meiner letzten Abfahrt ein-, zweimal auf dem Sessellift gecheckt (und damit angegeben) hatte, wollten sie natürlich auch.

Meine Reaktion war nicht gerade vorbildlich.

Während meine Frau in diesem Moment schon Befürchtungen hegte, sah ich noch keine Probleme. Sollen die Kinder doch auch einmal ihr Tempo testen. Das Bewusstsein für die hohen Geschwindigkeiten auf der Piste könnte ja durchaus auch das Sicherheitsbewusstsein fördern. Die Testfahrt der kleinsten Tochter, der Siebenjährigen, blieb denn auch ohne weitere Folgen. Höchstgeschwindigkeit: 41 Stundenkilometer.

Jetzt nahm die Neunjährige das Handy in die Jackentasche. Und raste die Piste hinunter, dass es uns schon beim Zuschauen etwas mulmig wurde. Die Statistik wies für die Schlussabfahrt ein Tempo von 78,5 Stundenkilometern aus. Sie hatte sogar meinen Rekord von vorhin pulverisiert.

Das führte einerseits zu Diskussionen über das angemessene Tempo auf dicht bevölkerten Skipisten. Andererseits wurmte es mich schon, dass die eigene Tochter meine Bestmarke übertrumpft hatte. Meine Reaktion war wiederum nicht gerade vorbildlich: In einer gewagten Abfahrt schraubte ich den Rekord auf 81,5 Stundenkilometer hoch. Das Handy selbst bewahrte uns danach vor weiterer Unvernunft: Für einmal gab genau im richtigen Moment der Akku den Geist auf.

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