Lomo

Sportliche Höchstleistungen

Lomo findet seine sportlichen Herausforderungen nicht mehr in der Turnhalle sondern im Alltag.

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Im Spitzensport geht’s ums Timing, um das präzise Einschätzen von Gegner, Aufgabe und eigener Kraft. Die Marathonläuferin weiss, wie sie ihr Tempo auf die Strecke einteilen muss. Der Radfahrer wartet den richtigen Moment ab, um das Feld zu überholen.

Im Sportunterricht hab ich selber das ja nie hingekriegt. Beim Rennen bin ich immer viel zu schnell gestartet, so dass ich jeweils schon in der Hälfte zusammenklappte und auch beim Felgaufzug am Reck hab ich nie jenen Moment erwischt, wo man sich den Zwick geben muss, um die Drehung hinzukriegen.

Ich perfektioniere mich beispielsweise seit Jahren darin, den Abfallkübel in der Küche so zu füllen, dass er genau zur Güselabfuhr maximal voll ist.

Als Familienvater indes habe ich die Techniken des gut eingeteilten Sprints und des strategischen Abschätzens dafür dann umso besser gelernt. So perfektioniere ich mich beispielsweise seit Jahren darin, den Abfallkübel in der Küche so zu füllen, dass er genau zur Güselabfuhr maximal voll ist. Nichts ist doofer, als wenn der Güselsack schon am Vortag ausgewechselt werden muss und dann steht man am Tag der Güselabfuhr mit einem bereits wieder zu einem Viertel vollen Sack da und fragt sich verärgert, ob man in der Wohnung vielleicht nicht doch noch irgendwo irgendwelchen Unrat findet, der den Sack voll zu machen vermöchte.

Und während Wendy Holdener den schnellsten Weg zwischen den Slalomstangen hindurch weiss, bin ich Profi darin, das Zeitfenster zwischen Aufsetzen des Nudelwassers und Schnippeln des Gemüses exakt genug einzuschätzen, dass dazwischen auch noch vier Matheaufgaben des Sohnes und ein Mail an den Schulzahnarzt Platz haben.

Es ist ziemlich sicher, dass ich nie am New York Marathon teilnehmen werde.

Lewis Hamilton weiss, wie man mit einem Rennboliden am schnellsten ins Ziel kommt. Ich hingegen messe mich jeden Abend und ganz ohne Pferdestärken mit zwei Kontrahenten und einer Kontrahentin darin, wer es schafft, vor den andern das Badezimmer zu besetzen, um endlich mal in Ruhe den Zeitungsartikel fertig lesen zu können, während vor der Tür bereits die Konkurrenz klopft, die endlich Zähne putzen möchte. Da geht es um Bruchteile von Sekunden und um Nervenstärke selbst unter stressigsten Bedingungen.

So wurmen mich unterdessen meine schwachen Leistungen im Sportunterricht von einst nicht mehr. Es ist ziemlich sicher, dass ich nie am New York Marathon teilnehmen werde. Im Triathlon aus Waschmaschine-Einräumen, Kinderhörspiele suchen und Schuhe imprägnieren bin ich hingegen schon heute ziemlich unschlagbar.

Erstellt: 21.01.2020, 17:16 Uhr

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