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Sprossen lügen nicht

Das Schloss Wülflingen wurde von der Stadt einst für mehrere Millionen renoviert.

Das Schloss Wülflingen wurde von der Stadt einst für mehrere Millionen renoviert. Bild: Screenshot, Schloss Wülflingen/Facebook

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Sprossen! Schon das Amuse- Bouche lässt uns zweifeln. Kann diese Küche die ­Erwartungen erfüllen? Denn die dürfen wir doch mitbringen ins Schloss Wülflingen, auch wenn es seit Jahren nicht mehr im Gastroführer «Gault Millau» erscheint. Immerhin hat die Stadt das Haus einst für viele Millionen renoviert. Mit einem Ergebnis, das nicht nur die Denkmalpflege begeistert. Die Holzmalereien, die Decken und Stuben, diese Ambiance, die muss man suchen!

Aber eben, die Sprossen: blosse Zierde, kein Geschmack. Überflüssig. Retro. Die Lauchpannacotta darunter ist hausgemacht, aber mastig. Auf dem Tisch liegt eine gute, selbst gemachte Butter, dazu Stücke irgendeines Baguettes. Brot ist nicht beliebig, möchten wir in die Küche rufen, Brot ist Kunst! Aber wir lassen es und wenden uns dem Menü zu.

Die Auswahl ist gutbürgerlich, populär, etwas langweilig, dafür mit Sprachsprossen garniert. Die Pastetli mit Pilzen heissen Bouchée Forestière. Wir bestellendie Jakobsmuscheln auf Erbsenpüree an Safranschaum (22 Franken), ein Gericht, das im Gaumen weniger bunt ankommt als auf dem Teller. Die Muscheln sind ­etwas zäh und fad. Gut gefallen die Ravioli mit Birnen-Pecorino-Füllung.Die Parmesanspäne dazu passen, der Rucola auch. Die Baumnüsse (19 Franken) braucht es nicht,oder wenn, dann besser geröstet.

Mit viel Show geht es weiter. Statt sich auf den Kern zu konzentrieren, kommt allerlei obendrauf. Süsskartoffelchips aufs Stroganoff (46 Fr.), Balsamico aufs Zürcher Geschnetzelte (42.50 Fr.). Die Saucen sind schwer und ­salzig, das Fleisch zart, mehr aber auch nicht. Wo kommt es her? In der Karte ist nichts deklariert. Dafür fallen die Dessertpreise auf. Unser Coupe Nesselrode kostet 13.50 Fr. Die Glace ist vom Gastrozulieferer, der Orangenschnitz riecht nach Zwiebelbrett. Sprossen lügen nicht, denken wir. Das ist streng, aber im Schloss darf man Erwartungen haben.

(mcl)

Erstellt: 12.03.2018, 08:35 Uhr

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