Lomo

Strand, Sand und Badehose

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Diese Kolumne kommt aus dem Urlaub, sozusagen ­direkt aus einem Strandkorb auf einer Insel in der Nordsee. Wäre ich besser organisiert, hätte ich das Lomo vorproduziert, wie das andere Kolumnisten tun, von denen dann in den Ferien­tagen jeweils irgendwas gedruckt wird, was die so auf Halde haben. Weil ich indes von der Hand in den Mund und von Kolumne zu Kolumne lebe, ist nix mit Halde und stattdessen erzwungenermassen immer alles frisch.

Frisch ist auch die Einsicht, dass am Nordseestrand das Umziehen noch eine weit grössere Herausforderung ist als imGei­sel­­­weid. Dort ist nämlich der ­Boden weniger sandig. Hier hingegen wird der Wechsel von der Chino- in die Badehose und ­zurück zur echten Herausforderung. Eigentlich hab ich ja die Einstellung, dass selber schuld ist, wer mir beim Kleiderwechsel zu- und dabei etwas sieht, was man nicht hätte sehen wollen. Aber, um als Ausländer doch nicht allzu negativ am deutschen Gestade aufzufallen, versuche ich die Garderobenfrage diskret und hinter einem um die Hüfte geschlungenen Badetuch zu lösen.

Das geht beim Einstieg in die Bade­hose auch noch ganz gut, abgesehen davon, dass das Tuch sich dann doch zu früh löst, was ich an einem kühlen Luftzug auf der Haut und daran merke, dass die beiden älteren Damen, die im Strandkorb nebenan grad noch eifrig diskutiert haben, in welchem ihrer Krimis die grausigeren Morde vorkommen, jetzt ­mitten im Satz erschrocken verstummen. Ich renne schon mal Richtung Wasser los, damit wenigstens die Bewegungsunschärfe mithilft, meine Blösse zu kaschieren, und wäre fast mit Bändel­zubinden fertig geworden, als mir die erste Welle schon die Hose wieder vom Leib reisst.

Vollends aus mit der Diskretion ist es indes nach dem Bad, weil ich beim Versuch, auf einem Bein balancierend meinen mit Sand verklebten Fuss aus der nassen Badehose raus- und so durch die linke Öffnung meiner Unterhose hineinzubugsieren, dass ich dabei nirgends den Stoff berühre, natürlich unweigerlich das Gleichgewicht verliere und im Fallen dann verzweifelt die Unterhose hochreisse, an deren Innenseite nun aber der halbe Nordseestrand klebt und meine Kleider unterhalb der Gürtel­linie in ein Schleifpapierkostüm verwandelt. Darauf vertrauend, dass die ostfriesischen Bade­gäste meine helvetischen Fluchwörter nicht verstehen, stosse ich ein herzhaftes «Hueregopferdammi» aus. Und während die Sandkörner mir mit jedem Schritt Hautschicht um Hautschicht vom Hintern raspeln, ­gehe ich von dannen, um im Ferienhaus die Wunden zu versorgen, damit ich dann rechtzeitig wieder fit und genügend verheilt bin, wenn morgen das ganze ­Kabarett von neuem losgeht. (Landbote)

Erstellt: 08.08.2018, 10:50 Uhr

Lomo

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare