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Täglich um 18 Uhr oder Das Mantra im Alltag

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Tele Züri, bei uns intern auch «Hausecken-Fernsehen» genannt, beglückt uns jeden Abend mit Stilblüten. Da lautet zum Beispiel das Versprechen der bekannten Elektrohandelskette, «Wir reparieren, beraten und liefern!» Darf ich also davon ausgehen, dass die drei vom Fräulein in der Zentrale alarmierten Herren im weissen Schurz zuerst einmal handeln, später dann nachdenken (was die Voraussetzung wäre für eine Beratung), und schliesslich dem Kunden dann doch lieber etwas Neues verticken, weil es sich erfahrungsgemäss nicht mehr lohnt, das alte Zeug zu flicken.

Wobei man sich fragen kann, wozu es drei Leute braucht, um zum Beispiel einen neuen Staubsauger zu liefern. Walter Fust, der die Firma erfunden hat, hat seinerzeit als «dipl. Ing. ETH» einen Rollwagen konstruiert, damit ein einziger Mann eine Waschmaschine mühelos auch über Gartenwege und Kellertreppen transportieren konnte. Der kluge Rechner wusste genau: Hätte er einen zweiten Helfer einsetzen müssen, hätte er an dem Gerät nichts mehr verdient.

Werber-Stilblüten kommen im «Hausecken-Fernsehen» ebenso häufig vor wie zum Beispiel aufgewühlte Menschen, in deren Nähe sich ein Raserunfall oder einer Bluttat ereignet hat. Früher hat man sie auch «Blick-Mannli» genannt. Mit ausgestrecktem Zeigefinger stehen sie an der Gartenmauer und rufen aus: «Hier ist es passiert. Wir hätten nie gedacht, dass er so etwas machen könnte, er war doch immer ein Netter.»

Um auf das Werbefernsehen zurückzukommen: In der kulthaft endlosen Wiederholung bekommen manche Spots etwas von einem Mantra: Man murmelt die Worte mit, ohne deren Sinn zu verstehen. Aber aufgepasst: Sie bleiben im Unterbewusstsein hängen - und schwupps, ausgerechnet wenn wir etwas brauchen und zur Anschaffung schreiten, tauchen sie auf und öffnen Herz und Brieftasche.

Manche Fragen bleiben freilich ewig unbeantwortet. Herr Fischer von der gleichnamigen Bettwarenfabrik in Au am Zürichsee, der uns im Laufe eines Fernsehabends durchschnittlich mindestens dreimal heimsucht, wird seit geraumer Zeit von einer aparten jungen Dame begleitet, die auch ein paar Worte sagen darf. Seine Tochter? Seine Enkelin? Eine Teilhaberin, die nicht mehr still sein mag?

Wir werden es nie erfahren. Hauptsache, die Daunen stammen von toten Tieren! Und am Montag ist geschlossen. Gschpüürsch de Wind i de Haar? Dazu stehe ich mit meinem Namen!.

Erstellt: 08.11.2019, 16:13 Uhr

Karl Lüönd ist Publizist und Journalist. (Bild: mas)

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