Stadtverbesserer

Überall wird hausiert

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Swissminiatur! Wenn es überhaupt je einen Beleg brauchte, um zu zeigen, wie vernarrt wir Schweizer in den Gestus der Verkleinerung sind, so wurde er in diesem Themenpark – äxgüsi Pärkchen – in Melide Ende der Fünfzigerjahre fix und offenbar für alle Ewigkeit installiert.

Die Verkleinerung, sie erscheint hier als verdichtete Beschaulichkeit und damit harmlos. Doch das ist bloss Verstellung. Dahinter lauert die Idee, die Welt und ihre Dinge beherrschbar und gefügig zu machen. Verkleinerung und Grössenwahn, das sind zwei Seiten derselben Medaille.

Die Schweiz wird kleingeredet, um am WEF mit etwas grösserer Kelle anzurühren.

Diesen Gedanken vorweggeschickt, werfen wir einen Blick nach Davos. Am World Economic Forum (WEF) hat der Bund erstmals ein «House of Switzerland» eingerichtet, wie er dies an Weltausstellungen im Ausland zu tun pflegt. Die Schweiz richtet sich in der Schweiz eine Enklave ein.

Das klingt absurd. Aber freilich gibt es dafür gute Gründe: Davos sei während des WEF ein globales Dorf, im geballten Internationalismus wird der Gastgeber, werden die Bündner Berge, der viele Schnee unsichtbar.

Die Schweiz wird kleingeredet, um am WEF mit etwas grösserer Kelle anzurühren, das denkt sich zumindest der Stadtverbesserer. Gleichzeitig hat der Bund sein eigenes Konzept quasi zurück­kopiert. Denn war das hiesige «House of Winterthur» eine Anlehnung an die Häuser, mit denen der Bund im Ausland hausieren geht, so war es eine Winterthurer Idee, ein «House of X» hinzustellen, wo rundherum nur X ist. «Wer hats erfunden?» – das können sich Winterthur und Bundesbern künftig gegenseitig fragen.

Derweil erscheint dem Stadtverbesserer das «House of Switzerland» in Davos etwa so sinnvoll wie Schneeschuhe für einen Clown. Jede Wette: Wer mächtig ausladende Clownschuhe trägt, wird auch so nicht im Schnee versinken!

(Der Landbote)

Erstellt: 24.01.2019, 13:20 Uhr

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