Zum Hauptinhalt springen

Verneinung, doppelt

Unser Kolumnist macht sich aus aktuellem Anlass Gedanken über die Kunst der doppelten Negation.

Da ist mir doch letzte Woche vor lauter Ärger über die Sparübungen des Winterthurer Gemeinderats beim Bildungsbudget gleich selber ein Schnitzer unterlaufen, und zwar hab ich geschrieben, dass die sogenannten Digital Natives ein blosser Mythos seien, das sei von der Forschung widerlegt worden.

Ich hab mich da in einer doppelten Negation verheddert. Denn so, wie in der Mathematik minus mal minus dann doch wieder plus ergibt, so ist es auch in der Sprache, und wenn man also widerlegt, dass etwas ein Mythos sei, heisst das ja eigentlich, dass der Mythos kein Mythos ist, sondern stimmt.

Wer nicht darauf verzichtet, zu verneinen, was er meint, der bestätigt damit ungewollt, dass er offenbar nicht meint, was er eigentlich meint.

Tatsächlich ist mit doppelten Negationen nicht nur nicht zu spassen, sondern diese sind auch nicht ohne. Wer nämlich nicht darauf verzichtet, zu verneinen, was er meint, der bestätigt damit ungewollt, dass er offenbar nicht meint, was er eigentlich meint. Freilich gibt es auch nicht wenige Personen, die sich gerade auf diesem nicht ungefährlichen sprachlichen Terrain nicht nur nicht unwohl fühlen, sondern ohne das Werkzeug der doppelten Negation schlicht nicht arbeiten könnten.

In der Politik zum Beispiel wird auf doppelte Negationen nur selten verzichtet. So werden etwa im Parlament Gegenvorschläge zu Nichteintretensentscheiden abgelehnt, während man in den Pausen nicht zögert, die negative Berichterstattung der Presse zu dementieren.

Tatsächlich ist es gar nicht ungeschickt, in der Politik auf unklare Aussagen nach Möglichkeit nicht zu verzichten, weil diese einem nicht selten vermeiden helfen können, nach den Wahlen genau das nicht mehr in Abrede zu stellen, was man noch vor den Wahlen kategorisch ausgeschlossen hatte.

«Ich habe niemals verneint, dass man hier auch die Kehrseiten der negativen Folgen nicht übersehen sollte!» – Wer Sätze, wie diese ohne Scham, sondern stattdessen mit nicht wenig Schwung zum Besten gibt, wird sich bei gebrochenen Wahlversprechen nie erwischen lassen können.

Nehmen wir beispielsweise die grünliberale Partei, der die Interessen der Wirtschaft alles andere als unwichtig sind, die zugleich aber erklärten, auch gegenüber der Klimajugend die Ohren nicht verschliessen zu wollen: Sie machen jetzt eine Politik, die gar nicht überraschend exakt der doppelten Negation entspricht – sie sind alles andere als untätig, damit sich politisch nichts ändert.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch