Stadtverbesserer

Verschreiben, dass es eine Freude ist

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Freudsche Versprecher ist schnell passiert und schnell in aller Munde, wenn er in der Öffentlichkeit passiert.Das musste auch Pascal Couchepin merken, als er 2008 als Bundespräsident in einer Kommissionssitzung einen gewissen Mörgele erwähnte und Mengele meinte. Den Josef Mengele, der als KZ-Arzt und strammer Nazi wegen seiner Menschen-Versuche traurige Berühmtheit erreichte. Peinlich. Der damalige Nationalrat und Medizinhistoriker Christoph Mörgeli goutierte Couchepins Lapsus Linguae nicht wirklich, und die Medien machten eine halbe Staatsaffäre daraus.

Dabei kennen es Journalisten aus eigener Erfahrung nur allzu gut. Bei ihnen sind es die Freudschen Verschreiber. Sie landen selten in der Zeitung, aber umso häufiger in hastig getippten Texten.

«Einverstanden, diesen Punkt können wir abkaken. Aber im nächsten Abshit schreiben Sie …»

Zum Beispiel in einem E-Mail an einen Politiker, dem man an der Wade hängt, der telefonisch nicht erreichbar ist, und mit dem man auf den letzten Drücker um Zitate und Inhalte ringt, hartnäckig, aber nicht mehr ganz geschmeidig:«Einverstanden, diesen Punkt können wir abkaken. Aber im nächsten Abshit schreiben Sie …» In der Hoffnung auf ein besseres Zitat schliesst man – mit Blick nach oben –, dass kein Geschwurbel zurückkommt, noch mit «Beten Dank» ab.

An die journalistische Pflicht, ein Thema unvoreingenommen anzugehen, wird man auch als Gerichtsreporter erinnert, wenn der Staatsanwalt sich den Angeklagten vorköpft und dessen Taten zum Vorschwein kommen. Manchmal ist man auch einfach übermüdet und deshalb unfreiwillig ehrlich beim Schreiben. Lieber eine Mütze Schlaf mehr als ein lausiger Artikel. Schliesslich meinte Sigmund Freud auch: «Der Traum ist der königliche Weg zu unserer Seele.»

In diesem Sinne, schafen Sie gut, liebe Leserinnen und Leser. Beste Füsse, Ihr Stadtverbesserer. (Landbote)

Erstellt: 04.04.2019, 09:33 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!