Zum Hauptinhalt springen

Video und Emotionen

Beni Thurnheer macht sich Gedanken zum Videobeweis, dessen Probleme und wie man sie allenfalls minimieren könnte.

Seit neuestem werden beim Fussball Fehlentscheide des Schiedsrichters mithilfe des Fernsehbildes korrigiert. Das ist zunächst einmal eine gute Sache. Krasse, manchmal fast unverständliche Fehler werden aus der Welt geschafft und grosse Ungerechtigkeiten beseitigt.

Doch das System hat auch Nachteile, wie unlängst das Spiel St.Gallen - Young Boys zeigte. Da wehrte der Goalie einen Penalty ab, das ganze St.Galler Stadion jubelte, und die Berner fanden sich mit ihrem Schicksal ab, doch dann stellte der VAR bei der Betrachtung der Zeitlupe fest, dass der Torhüter sich eine Zehntelsekunde zu früh nach vorne bewegt hatte.

Mein Vorschlag: Macht es wie die Tennisspieler.

Der Elfmeter musste wiederholt werden (und wurde diesmal verwertet). Versenkte Emotionen und damit Frustrationen hatte es schon in Spielen davor gegeben, denn nach jedem Tor stellte sich nunmehr die Frage, ob ihm nicht etwa eine Offsideposition vorangegangen war, weil die Zeitlupe zeigte, dass sich eine Schuhspitze ein paar Millimeter zu weit vorne befand.

Die Schiedsrichter wurden dabei zu Unrecht verunglimpft, denn sie sorgen nur dafür, dass das Reglement eingehalten wird und sich die Gerechtigkeit durchsetzt. Genau dafür sind sie da! Dennoch ist die Situation total unbefriedigend. Mit den TV-Bildern wollte man krasse Fehlentscheide verhindern, aber sicher nicht jeden extremsten Grenzfall ans Licht zerren, nicht aus jeder Spielszene einen Gerichtsfall machen.

Soll man den VAR also wieder abschaffen? Nein! Es gibt eine Möglichkeit, den Fünfer und das Weggli zu bekommen, das heisst die krassen Fehler zu eliminieren, ohne die spontanen Emotionen abzutöten. Mein Vorschlag: Macht es wie die Tennisspieler.

Jedes Team darf einmal (oder einmal pro Halbzeit) verlangen, dass der Schiedsrichter das Video konsultiert. Hatte die Mannschaft mit ihrem Rekurs recht, so behält sie ihre Einsprachemöglichkeit. Reklamierte sie zu Unrecht, hat sie ihre Einflussnahme verwirkt, auch für eventuell folgende eindeutige Fälle.

Die Teams werden sich also hüten, bei völlig unklaren Zweifelsfällen zu intervenieren (ausser vielleicht in den Schlussminuten). Resultat: Die krassen Fehlurteile verschwinden, und trotzdem haben wir Fussballfans unsere natürlichen Emotionen wieder. SFV, Uefa und Fifa: Bitte handeln!

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch