Lomo

Voll verkabelt

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Hungrig zu kochen, ist bekanntlich nicht ratsam. Bei elektrischen Installationen ist es ähnlich.

Ein Wochenende lang war ich fernmeldetechnisch auf Entzug, weil bei der zuvor erfolgten Umstellung aufs Glasfasernetz was schiefgelaufen war und deswegen Telefon und Internet keinen Mucks mehr von sich gaben.

Werde alles schneller laufen mit diesem Glasfaserzeugs, so hatte es mir der Mann von der Telefongesellschaft doch versprochen, und stattdessen lief jetzt gar nichts mehr. Vom Regen in die Traufe nennt man das beziehungsweise vom Kupferkabel in die Funkstille.

Kein Wunder, war ich dann am Montag, als der Techniker erneut vorbeikam und die Störung behob, umso gieriger. Zusammen mit dem Lämpchen auf dem Internetrouter begannen sogleich auch meine Augen zu leuchten: Das ist doch jetzt die perfekte Gelegenheit, um unser Heim endlich zukunftsweisend zu verkabeln.

Mit etwa 1,5 Kilometern Verlängerungskabel müsste das doch sicher klappen.

Doch weil unsere Wohnung alt und die Steckdosen entsprechend eigenwillig platziert sind, stellte mich mein ambitioniertes Vorhaben bald vor bauliche Probleme: Um Internetempfang in allen Zimmern zu haben, muss man die entsprechende Station an zentralem Ort aufstellen, am zentralen Ort aber hat es keinen Strom. Doch wie sagt das Sprichwort: «Wenn der Router nicht zum Kabel kommt, muss das Kabel zum Router gehen.»

Ich zeige mich zu Hause ja sonst eher von der phlegmatischen Seite, hier aber entwickelte ich alsbald eine hysterische Geschäftigkeit. Ehe ich mir fertig überlegt hatte, ob ich mit dem Stromkabel wirklich unter der Stubentürschwelle durch möchte, waren auch schon sämtliche Abschlussleisten abgeschraubt, damit ich dann im Schein der Taschenlampe erkannte, dass es dort vielleicht doch zu eng werden dürfte.

Also vielleicht doch besser die Leitung via Schlaf- und Kinderzimmer ins Büro ziehen? Mit etwa 1,5 Kilometern Verlängerungskabel müsste das doch sicher klappen. Oder könnte man nicht mit der Bohrmaschine in der oberen Ecke des Türrahmens einmal quer durch? Die Wohnzimmerwand abspitzen, dort, wo sie schön hohl klingt?

Ich wollte schon meiner Frau erklären, ich müsse mal eben einen halben Monatslohn abheben, um ihn im Do-it-yourself in Schlagbohreraufsätze, Stützbalken, Netzwerkkabel und Verputzmaterial zu investieren, da sah ich glücklicherweise beim Durch-die-Wohnung-Hasten mich selbst im Spiegel und das irre Flackern in meinen Augen.

Hätte ich mich nicht im letzten Moment noch bezähmt, dann sässe ich heute wahrscheinlich statt in meinen vier Wänden nur noch in einer Ruine. Aber immerhin in einer Ruine mit einem super Internetempfang.

(Der Landbote)

Erstellt: 04.09.2018, 15:47 Uhr

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