Tribüne

Vom richtigen Zuhören

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Wenn Sie diese Zeilen lesen, hänge ich vermutlich in den Seilen. In letzter Zeit bin ich nämlich nachts wach. Das hat nicht nur mit den allerliebsten Kindern zu tun, die neuerdings – manchmal zeitgleich – mitten in der Nacht im Trippelschritt in unser Schlafzimmer täppeln und sich dort, Magnet-gleich, links und rechts an mich schmiegen, als wäre unser 1,80-Bett eine 30-cm-Pritsche. Dass ich nachts wach bin, hat vor allem damit zu tun, dass ich die letzten zwölf Jahre nachtwach war – und es seit Ende letzten Jahres nicht mehr bin.

Aber der Reihe nach. Während zwölf Jahren war ich Produzentin und Teamleiterin des Telefontalks «Nachtwach», der auf SRF Woche für Woche einen Einblick in die Seele der Schweizerinnen und Schweizer gab und wo Moderatorin Barbara Bürer den Menschen am Telefon mal Berührendes, mal Heiteres, mal Erschütterndes entlockte. Zuhören. Ein Ohr geben. Und Fragen stellen.

Das Rezept der Sendung war so simpel wie erfolgreich. Dass Zuhören ein grosses Bedürfnis ist, erfährt auch «Die Dargebotene Hand» täglich: Ehrenamtliche Mitarbeiter geben unter der Nummer 143 nicht gut gemeinte Ratschläge oder gar Belehrungen, sie hören den Anrufenden einfach zu und nehmen sie wahr. Die Bedeutung des richtigen Zuhörens hat das Sorgentelefon diese Woche mit dem «Schweizerischen Tag des Zuhörens» unterstrichen.

Als «Nachtwach» Ende letztes Jahr nach zwölf Jahren aus Spargründen abgesetzt wurde, war uns als eingeschworenem Team sofort klar, dass wir weitermachen wollen. Dass wir weiter ein Ohr bieten wollen und die Kultur des Erzählens und Zuhörens weiter stattfinden soll – auch ausserhalb von SRF. Mit «Barbara Bürers Kosmos» sollen intime Gespräche aus dem Leben neu dort stattfinden, wo sie ihren Ursprung haben: bei den Leuten. Im Wartsaal, in der Kirche, in der Landbeiz oder im Kulturlokal.

Und so sind wir nun plötzlich nicht mehr Produzentin, Redaktorin und Moderatorin im vertrauten Rahmen, sondern Webmasterin, Sponsorensucherin und Technikerin am Anfang eines Abenteuers. Das ist unheimlich spannend, aber eben auch nervenaufreibend, weil die ehrenamtliche Vereinsarbeit meist spätabends beginnt und erst dann aufhört, wenn die Kinderschrittchen Richtung Elternschlafzimmer tapsen und ein offenes mütterliches Ohr gefragt ist wegen böser Träume und Monstern unter dem Bett.

Danke, dass Sie mir zugehört haben. Ich wünsche auch Ihnen ein offenes Ohr!

Erstellt: 18.03.2019, 10:36 Uhr

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