Tribüne

Was für ein Fortschritt!

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Ich fahre mit dem Aufzug in den 3. Stock, schliesse die Türe meines Hotelzimmers auf, mache Licht und stelle den Fernseher an. Dann stelle ich mich unter die Dusche, lösche nach der Spätausgabe der Tagesschau das Licht und schlafe ein.

Das war früher! Heute bleibt der Lift im Erdgeschoss stecken, denn er reagiert bloss auf die Zimmerkarte. Ein Mitpassagier wohnt auch da, ich hänge mich ihm an, Glück gehabt! Pech gehabt! Ich kriege meine Zimmertüre nicht auf, meine Magnetkarte hat sich offenbar entladen.

Zurück zur Reception. Die Karte muss ich dann im Zimmer gleich beim Eingang einstecken, damit ich Strom bekomme. Sofort strahlen alle Lampen hell. Der Fernseher ist nun auch funktionsfähig, das heisst er wäre es, wenn ich nur wüsste wie. Zwei Fernbedienungen liegen bereit, mehr als Schneegestöber bringe ich aber nicht hin.

Was muss ich mit welcher machen? Heute kein Fernsehen, ist ja nicht so schlimm. Problematischer wird es nun im Bad. Ich schraube an den beiden Knöpfen, aber es will einfach kein Wasser kommen. Ich ziehe und ich drücke, es passiert einfach nichts. Zurück an die Reception, wo ein anderer Gast sich genau mein Problem erklären lässt, so dass ich mich nicht blamieren, sondern nur aufmerksam mithören muss.

Den ganzen Hebel nach vorne kippen! Aha! Ich kippe den ganzen Hebel nach vorne und riskiere dabei Verbrennungen zweiten Grades, denn ein gefühlt 90 Grad heisser Wasserstrahl fährt auf mich nieder. Von ausserhalb versuche ich das Wasser kälter zu machen. Linker Knopf? Nach rechts drehen? Einfach die Kraft des Strahls zurückdrehen? Angeschrieben ist gar nichts. Waren das noch Zeiten, als es einen Hahn mit kaltem Wasser mit einem blauen Punkt und einen mit warmem Wasser mit einem roten Punkt gab...

Endlich komme ich ins Bett und lösche das Licht. Das heisst, ich versuche es. Der Nachttischschalter wirkt schon, aber zwei der sechs Lampen bleiben von ihm unbehelligt. Ich versuche sie einzeln auszumachen, geht nicht, nicht einmal den Stecker rausziehen kann ich, die Buchse ist hinter, bzw. unter einem Möbel versteckt. Letzte Lösung: Ich ziehe die Magnetkarte ab. Es wird stockdunkel. Gute Nacht! Morgens um vier Uhr muss ich mal aufs Klo. Licht machen natürlich unmöglich, ich tappe im Dunkeln in die erahnte Richtung und schlage mir ein paarmal die Beine an. Als Erstes werde ich morgen eine Gebrauchsanweisung für mein Zimmer verlangen.

Das Hotel hat bei Experten einen ausgezeichneten Ruf, vor allem sein Styling wird besonders gelobt, die frei zugängliche Elektronik und die ausgeklügelten Sonderleistungen.

Erstellt: 28.06.2019, 13:52 Uhr

Beni Turnheer ist Sportreporter und wohnt in Seuzach. (Bild: mad)

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