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Wen Gott liebt

Wen Gott liebt, dem schenkt er ein Haus in Zürich, heisst ein Sprichwort. Natürlich ein Zürcher Sprichwort. Besonders gerecht geht es im Reich Gottes nicht zu, findet der Stadtverbesserer. Gibt es denn wenigstens einen Engel im Himmel, der einen liebt und einem ein Haus in Winterthur schenkt?

Vielleicht lässt sich St. Alban, der bekannteste Schutzheilige der Stadt, zu einem Geschenk für seine geliebten Winterthurer erweichen. Aber bitte schön in der Altstadt, an einer sonnigen Ecke. Und bitte nicht in einem dieser «Lupenquartiere» mit sozialem Sprengstoff, die im städtischen Sozialmonitoring in den letzten Jahren definiert wurden. Da wäre die Dankbarkeit der Winterthurerin an einem kleinen Ort.

Mit dem lieben Gott kann es St. Alban halt nicht aufnehmen.

Das ist sie ohnehin. Viele der begehrten Altstadthäuser werden nämlich gar nicht richtig genutzt. Vor allem die Läden in den Erdgeschossen finden immer weniger Mieter. Und leider lassen auch grosse Unternehmen die schönen Büroräume im historischen Stadtkern links liegen. Sie ziehen Zürich vor, erklärte diese Woche ein Immobilienvermarkter.

Mit dem lieben Gott kann es St. Alban halt nicht aufnehmen. Selbst der «Landbote» verlässt nach 180 Jahren die Altstadt und zieht in Richtung Sulzer-Areal. Nur das Oxyd verlegt seine Kunsträume stadteinwärts ins immerhin schon 150 Jahre alte Kornhaus beim Bahnhof. In dieser Stadt ist allein noch auf die Kunst Verlass.

St. Alban ist das zu wenig. Die Undankbarkeit der Winterthurer voraussehend, hat er die meisten Häuser in der Altstadt dem inzwischen verstorbenen Bruno Stefanini geschenkt. Dies wiederum müssen die Winterthurer schon viel länger vorausgeahnt haben. Als Alban noch ein Mensch war und einmal an die Eulach kam, wurde er deshalb kurzerhand geköpft. Zur Stadtverbesserung hat das allerdings wenig beigetragen.

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