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Wenn Dienstag ein Montag ist

Von Peter Bichsel gibt es die berühmte Kindergeschichte vom Mann, der irgendwann genug davon hatte, dem Tisch immer nur Tisch, dem Stuhl immer nur Stuhl und dem Bett immer nur Bett zu sagen. Also fing er an, es anders zu machen, und sagte von nun an dem Stuhl Tisch, und wenn er zu Bett ging, sagte er, er lege sich ins Bild.

Das ist eine lustige Vorstellung und natürlich auch der Grund, warum gerade Kindern diese Geschichte so gefällt, denn diese sind ja ohnehin sehr geübt im veränderten Gebrauch der alltäglichen Dinge, zum Beispiel, wenn sie plötzlich das Bett zum Piratenschiff erklären und die Waschküche zum Western-Fort mitsamt den noch nassen Leintüchern (die nach dem Piratenspiel hatten gewaschen werden müssen) als Palisaden.

Hatte ich also tatsächlich meine Kolumne vergessen!

Aber auch noch als Erwachsene finden wir uns zuweilen plötzlich wie in Bichsels Kindergeschichte wieder. So jedenfalls ging es mir gestern Dienstag, als ich gegen Abend ein Telefon von meiner Redaktorin vom «Landboten» kriegte, die mich lieb fragte, wo denn mein «Lomo» bleibe. Und da überlief es mich siedend heiss: Hatte ich also tatsächlich meine Kolumne vergessen! Und während ich noch am Telefon stammelnd etwas zusammenlog, von wegen ich sei schon fast fertig und müsse den Text jetzt nur noch korrigieren, begann ich mir im Kopf mühsam zusammenzureimen, wie es denn zu meinem Versehen hatte kommen können.

Natürlich: Ostern war schuld! Weil der Ostermontag ja noch ein Sonntag war, war darum der Dienstag in meinem Kopf noch ein Montag und ich mit meiner Kolumne unweigerlich einen Tag im Verzug beziehungsweise voraus. Oder waren es nicht sogar zwei Tage? Denn am Sonntag, der zwar tatsächlich ein Sonntag gewesen war, hatten wir neben Ostern auch noch den Geburtstag des einen Buben gefeiert, weil der am Freitag erklärt hatte, er möge jetzt nicht mehr bis Dienstag (also gestern) warten auf sein Geschenk.

Drum war vorvorgestern, als noch Sonntag war, für mich irgendwie auch schon Dienstag, woraus dann aber folgt, dass gestern Dienstag für mich irgendwie bereits Donnerstag war und ich darum mit der Kolumne schon zwei Tage über den Abgabetermin.

Kein Wunder also, dass ich gestern Dienstag, der ja für mich eigentlich noch Montag beziehungsweise schon Donnerstag war, die Kolumne für Mittwoch vergessen hatte. Und was ist nun heute für ein Tag? Richtig: Mittwoch. Und trotz all meiner Verwirrung steht jetzt wie immer meine Kolumne in der Zeitung. Wie das möglich ist? Fragen Sie mich nicht!

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