Landluft

Wie Winterthur zum erträumten See kommt

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Da verschlug es selbst den stummen Fischen die Sprache: Als die Forellen, Egli und anderen flossigen Bachbewohner eines Tages im August von Marthalen bachab nach Niedermartel schwammen, da versperrte ihnen plötzlich ein Damm den gewohnten Weg. «Und die Umleitung war nicht mal signalisiert!», ärgerte sich ein toller Hecht. Weil der Mensch dort noch mehr Kies abbauen will und der Bach dabei im Weg ist, wurde dieser in ein neu geschaufeltes Bett umgeleitet.

Nach der gut ein Kilometer langen Umleitung fliesst der Bach weiter Richtung Thur und Rhein – apropos Vater Rhein: Auch er hat eine unstete Geschichte, floss mal hier, mal da lang. Vor zig Millionen Jahren zum Beispiel bog der Fluss beim heutigen Basel nicht nach Norden ab Richtung Nordsee, sondern gen Südwesten über die Rhône ins Mittelmeer – lieber Côte d’Azur als Wattenmeer.

 Das Urleiden der Stadt Winterthur besteht ja darin, keinen anständigen Fluss oder See zu haben.

Alles fliesst, wohin es will. Die Beeinflussbarkeit der Flüsse und Bäche eröffnet für Winterthur ganz neue Möglichkeiten. Das Urleiden der Stadt besteht ja darin, keinen anständigen Fluss oder See zu haben. Doch Rettung ist in Sicht: Im Richtplan ist tatsächlich eine 15 Kilometer lange Grundwasserpipeline von Rheinau nach Winterthur eingetragen, Baubeginn soll 2035 sein.

Die Pipeline wird einen Durchmesser von 80 Zentimetern haben – da geht einiges durch. So etwa das nötige Wasser für den ersehnten Winti-See. Und wenn dann eines Tages der Lachs von der Nordsee den Weg wieder zurück nach Rheinau findet, dann könnte man den einen oder anderen Wildlachs über die Pipeline nach Winterthur umleiten. Der Speisefisch mit dem rosa Fleisch wäre dann direkt in die Judd-Brunnen auf der Steinberggasse zu leiten und am Wochenmarkt fangfrisch zu verkaufen.

Erstellt: 05.09.2019, 17:12 Uhr

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