Tribüne

Wir brauchen keine Frauenpriesterweihe!

Die Tribünekolumnistin wünscht sich eine modernere Kirche, die sich nicht an alten Gesellschaftsstrukturen orientiert.

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Negativschlagzeilen diese Woche!

Wieder geht es in «meiner» Kirche um Missbrauch und Vertuschung durch einen Bischof. Mit schönen Worten und Gesten enthüllte er letztes Jahr eine Gedenktafel für Missbrauchsopfer der Kirche. Wem kann man noch glauben? Was kommt als Nächstes?

«Es bleibe der Kirche keine andere Wahl als Erneuerung», höre ich einen andern Bischof sagen. Ja, klar, aber wo bleibt die Erneuerung? Zum Beten hat uns der Übergangssbischof in unserem Bistum aufgerufen? Hat er nicht bemerkt, dass wir schon lange um Erneuerung beten? Hat er noch nie etwas vom «Donnerstagsgebet» der Frauen gehört? Jenes Gebet, entstanden im Kloster Fahr, das bereits weltweit gebetet wird? Autsch! Ein Gebet um Erneuerung von Frauen, das kann wohl nur falsch sein. Mit Erneuerung meinen nämlich viele Klerikermänner: Die Kirche im Alten bewahren. Die schlechte Welt hat die Kirche verdorben.

Als der Kardinal von Köln sah, dass zum Eröffnungsgottesdienst des Erneuerungs-Weges der Kirche in Deutschland, Frauen und Männer in aller Selbstverständlichkeit gemeinsam mit Priestern und Bischöfen in die Kirche einzogen, sagte er: «Es sind alle meine Befürchtungen eingetreten. Mit diesem Einzug haben sie zum Ausdruck gebracht, dass da jeder gleich ist und das hat nichts mit dem zu tun, was katholische Kirche ist und meint.» Autsch!

Schon in der Bibel lesen wir von dieser Gleichheit, die durch die Taufe geschenkt ist. Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde von Galatien: «Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht mehr Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau. Ihr alle seid eins in Christus Jesus.» Das war seine Vision von Kirche: Alle sind gleich, keine Unterschiede von Rasse oder Herkunft, alle haben die gleiche Würde auch Mann und Frau. Stattdessen verharrt unsere Kirche in den römischen Machtsrukturen des 3. Jahrhundert und verleugnet hartnäckig die paulinischen Aussagen der neuen Gesellschaftsstruktur unter Christen.

Die Zweiklassenkirche ist vorbei. Wir brauchen auch keine Frauenpriesteweihe, keine Kleriker*innen und Laien. Ihr Priester und Diakone die ihr euch diesen Gedanken verbunden fühlt. Lasst uns Frauen nicht allein ins Leere rennen, schliesst euch zusammen, legt euer «höheres Amt» nieder und verwirklicht zusammen mit euren Mitarbeitenden Frauen und Männer und allen Getauften die neue – alte Kirche. Wir sind Getaufte, eins in Christus.

Taten, statt schöne Worte von Erneuerung!

Erstellt: 07.02.2020, 10:03 Uhr

Monika Schmid, Theologin, Gemeindeleiterin Katholische Kirche St. Martin, Illnau-Effretikon/ Lindau/ Brütten
(Bild: JB)

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