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Wo der Koch den Kaisergranat gleich am Tisch köpft

Kaisergranaten und Garnelen in der Paella bereiten der «Angerichtet»-Kolumnistin Delia Bachmann liebe Mühe. Zum Glück eilt der Koch zur Hilfe.

Das stürmische Wetter weckt nicht eben Mittelmeergefühle. Und auch das Bierschild an der Fassade der Bodega Carlo sowie die Tafel, die den Weg zum Fonduekeller weist, kommen uns alles andere als spanisch vor. In der bahnhofnahen Quartierbeiz ist bei unserer Ankunft nur der Stammtisch besetzt, und so bestellen auch wir je eine Stange.

So ein fast leeres Restaurant hat durchaus Vorteile: Kaum ist der Koch in der Küche verschwunden, stehen auch schon die Vorspeisen auf dem Tisch. Die Consommé al Jerez (8.10 Fr.) erfüllt die Anforderungen, die man gemeinhin an eine geklärte Suppe stellt: Sie schmeckt intensiver, als es ihre fast durchsichtige Farbe vermuten lässt. Ein paar Minuten mehr auf dem Herd hätten ihr allerdings gutgetan: Vom beigefügten Sherry ist kaum etwas verdunstet. Alternativ hätte man sie auch als Aperitif aufführen können. Die Begleiterin wirkt mit ihrem grünen Salat (8.70 Fr.) recht zufrieden.

Auch auf die Hauptgänge müssen wir nicht lange warten. Die Begleiterin ist mit ihren Taglierini an einer Rahm-Steinpilz-Sauce (21.20 Fr.) zufrieden, aber nicht begeistert. Ihr Verdikt: «Das hätte ich auch gekonnt.» Ich hingegen habe schon mit dem Essen der Paella (33.40 Fr.), die in einer gusseisernen Pfanne vor mir steht, meine liebe Mühe. An den Muscheln, Erbsen, Peperoni, Oliven, Pouletstücken und den geschälten Garnelen liegt es nicht. Sondern an Kaisergranaten und Garnelen, die mit Kopf, Schale und Füsschen auf dem Safranreis sitzen.

Wieder erweist es sich als Vorteil, die ungeteilte Aufmerksamkeit des Kochs zu haben. Er erklärt der im Verspeisen von Meeresfrüchten ungeübten Autorin, wie man die Schale am besten knackt und den Kopf entfernt. Lange schaut er der Misere aber nicht zu. Er geht, um kurz darauf mit scharfem Messer und leerem Teller wiederzukehren. Während er Köpfe, Schalen und Gedärm entfernt, plaudert er ein wenig über die Paella: «Es gibt so viele Varianten wie Einwohner in Spanien.» Und gibt Tipps: «Man kann auch die Köpfe und Scheren aussaugen.» Das lassen wir fürs Erste und verschieben auch das Dessert auf einen lauen Sommerabend, wenn die Gartenbeiz offen ist.

La Bodega Carlo, Tellstrasse 15, Winterthur, Telefon 052 2229672, www.labodegacarlo.com

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