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Zensur

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Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen: Diese Kolumne erscheint nicht mehr ganz so häufig wie früher. Nicht etwa, weil mit dem steigenden Alter der Kinder (die Mädchen sind nun 8, 11 und 13 Jahre alt) weniger los wäre im Familienalltag.

Im Gegenteil: Je selbstständiger und unabhängiger die einzelnen Familienmitglieder, desto grösser ist die Chance, dass irgendjemandem im fünfköpfigen Verbund etwas Unerwartetes, Peinliches oder sonst Berichtenswertes passiert. Zum Beispiel am letzten Samstag...

 Der Grund für die ausgedünnte Erscheinungsweise der Kolumne ist die familieninterne Zensur. Die Kinder lesen diese Zeilen selbst. 

Aber eben: Darüber darf ich jetzt nichts schreiben. Denn der Grund für die ausgedünnte Erscheinungsweise der Kolumne ist die familieninterne Zensur. Die Kinder lesen diese Zeilen selbst. An sich freut man sich ja, wenn die Jugend Zeitung liest, aber früher war es entschieden einfacher, pikante Details an den Betroffenen vorbeizumogeln.

Noch schlimmer ist es, wenn die Kinder von Freundinnen, Kollegen oder Lehrerinnen auf die hier geschilderten Erlebnisse angesprochen werden. Solche Vorfälle haben am Küchentisch zu manch hitziger Diskussion über das Öffentlichkeitsprinzip und die Grenzen der Privatsphäre geführt.

«Aber über das schriibsch dänn nüt i d’Ziitig!»Anweisung der Tochter

Zunächst wurden deshalb einzelne Vorfälle mit einer Nachrichtensperre belegt. Nach einem Malheur (Details darf ich keine nennen...) erklärte eine Tochter einmal noch bevor die Sauerei weggeputzt war schon kategorisch: «Aber über das schriibsch dänn nüt i d’Ziitig!» Unterdessen sind die Familienmitglieder – die Frau ist da nur eine Spur toleranter als die Kinder – dazu übergegangen ganze Themenkreise der Zensur zu unterstellen.

So sind jegliche Bemerkungen zur hausinternen Ordnung für die Zeitung gesperrt. Da ich als Ausweichvariante dann ein Foto eines Kinderzimmers im Normalzustand (nach siebenfacher Aufforderung zum Aufräumen) auf Facebook gestellt habe, ist das Thema nun auch für sämtliche Social-Media-Kanäle tabu. Zensuriert sind auch ganz viele Bereiche, die als peinlich erscheinen könnten – und ich staune, was für angehende Jugendliche alles in diesen Bereich fällt. Vieles, worüber man im fortgeschrittenen Alter nur noch schmunzelt, ist für Jüngere schon fast ein Weltuntergang.

Nachdem eine Tochter kürzlich den journalistischen Prozess des Gegenlesens von Zitaten mitbekommen hatte, erklärte sie erstens: «Gseesch! Über d’ Politiker dörfsch ja au nöd alles schriibe.» Und forderte zweitens ebenfalls ein Gegenleserecht für alle heiklen Passagen ein. Die Verhandlungen laufen. Immerhin: Über die Zensur schreibe ich noch unzensuriert.

Erstellt: 08.07.2019, 14:55 Uhr

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