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Zwangsbeglückung

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Ein Firmenjubiläum ist heutzutage im Prinzip etwa so spannend wie eingeschlafene Füsse, es sei denn, man elektrisiere es mit einem ungewöhnlichen Projekt. Wer so viel finanzielle Wasserverdrängung hat wie die ZKB, kann dafür ­locker 50 Millionen Franken ­aufwerfen.

Die Seilbahn von der Landiwiese zum Zürichhorn war zur Zeit der Landi (1939) und der Saffa (1958, Ausstellung über Frauenarbeit) ein Erfolg. Ich ­erinnere mich an den Besuch an der Hand meiner Mutter. Ich war dreizehn Jahre alt. Es war ein netter Ausflug, aber kein lebensprägendes Erlebnis.

Im Vollgefühl der Mehrheitsmacht werden Exempel ­statuiert, die einen nur noch staunen lassen.

Dankbar nimmt Zürichs Linke das Seilbahnprojekt zum Anlass für eine erneute Machtprobe mit dem Kanton und mit der eigenen Stadtratsmehrheit, nachdem ihr irrationaler Widerstand gegen das Stadionprojekt an der ­Vernunft der Abstimmenden ­gescheitert ist. Im Vollgefühl der Mehrheitsmacht werden seit den letzten Wahlen Exempel ­statuiert, die einen nur noch staunen lassen.

Soeben hat die Mehrheit des Gemeinderats beschlossen, in der Einöde von Leutschenbach 390 gemeinnützige Wohnungen nebst Gewerbegebäuden und Kindergärten zu bauen – in ­eigener Regie, für 175 Millionen Franken. Der Chef von Halter, einer der grössten Bau- und ­Immobilienfirmen der Schweiz, sagt öffentlich, er würde das ­gleiche Projekt für 120 Millionen realisieren.

Die öffentliche Hand baue 20 bis 40 Prozent teurer als die private. 55 Steuermillionen für die Füchse – und keinen interessierts wirklich. Hauptsache, das Erfolgsrezept der staats­gläubigen Linken wird auch in Zürichs Norden auf Kosten der Steuerzahler durchgestiert. Vergeben werden die «gemeinnützigen» Wohnungen, wenn sie dann fertig sind, dann, wie schon oft bisher, an passende Genossen; so werden Stimmen für die Zukunft gesammelt.

Die bürgerliche Mehrheit im Kanton schlägt mit ähnlichem Ingrimm zurück. Jüngstes Beispiel: der Scherbenhaufen um das Kasernenareal! Seit Jahrzehnten liegt das wertvolle Land im Zen­trum ungenutzt oder unternutzt herum, weil sich Stadt und ­Kanton nicht einig werden.

Und der nächste Knatsch steht auch schon auf der Traktandenliste: die neue Tramlinie und der geplante Tunnel am Rosengarten in Wipkingen. Das Unsäg­liche an allen diesen Geschäften ist: Am Ende geht es nicht um die vernünftigste, wirtschaftlichste Lösung, sondern um Macht und Prestige.

Um Stadt oder Land, wie vor 150 Jahren, als die Kantonalbank gegründet wurde: übrigens als öffentlich gefördertes Gegengewicht gegen die Privat- und Grossbanken, welche die Kreditbedürfnisse von Gewerbe und Landwirtschaft vernach­lässigten.

Und nicht als Seilbahngesellschaft.

(Der Landbote)

Erstellt: 18.01.2019, 15:58 Uhr

Karl Lüönd ist Journalist und Publizist . Foto: J. Bossart

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