Angerichtet

Zwischen Punkten und Beiz

Gehobene Küche auf der Karte. Am Mittag gibts Currywürste und Pastaboxen durchs Take-Away-Fenster.

Gehobene Küche auf der Karte. Am Mittag gibts Currywürste und Pastaboxen durchs Take-Away-Fenster. Bild: Screenshot: RössliWinterthur.ch

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Dreizehn «Gault Millau»-Punkte hat das Rössli in der Winterthurer Altstadt – und trotzdem ist es Beiz geblieben. Am Mittag gibts Currywürste und Pastaboxen über die Gasse, wir besuchen das Restaurant aber abends. Linker Hand ist es bereit für die Dinnergäste, schlicht, aber durchaus elegant eingedeckt. Rechter Hand hängt der Jassteppich an der Wand und ein Strassenschild preist den «Promille Weg» an. Das passt vom Stil her zwar nicht wirklich, aber wie es die Begleitung sagt: «Wohlfühlen tut man sich schon.»

Das ist auch der Gastgeberin geschuldet, die uns bodenständig duzt und auf Nachfrage ausführlich Auskunft über die Herkunft von Lebensmitteln gibt. Die Karte ist klein und die gehobenen Ansprüche der Küche sind hier sofort erkennbar. Wir bestellen Entenleber auf Chicorée (29.50) und ein Rindstatar (24.50). Die Leber ist buttrig zart und der dunkle Rindsfonds dazu unterstützt aromatisch, ohne zu überdecken. Die Begleitung wird nicht gefragt, wie sie das Tatar haben möchte – es kommt mit Schnittlauch und leicht pikant –, ist aber trotzdem zufrieden und kann mit dreierlei Salz auf dem Teller selbst nachwürzen.

Screenshot: RössliWinterthur.ch

Dann entscheiden wir uns für hausgemachte Taglierini al ­brasato (32.50) und ein Mischtchratzerli (36). Letzteres kommt – auf Wunsch zerteilt – knusprig und sehr fein gewürzt auf den Tisch. Die Schenkel sind saftig, die Brüstchen leider etwas trocken. Der Garpunkt bei den Taglierini ist dafür perfekt getroffen und das geschmorte Rind zerfällt von selbst. Eigentlich sind wir satt, aber die Dessertkarte lockt mit hausgemachten Glaces und Sorbets. Wir bestellen eine Apfel-Tarte-tatin mit Joghurtglace (16.50) und ein Schokotörtli mit Sauerrahmglace (14.50). Beide Gebäcke kommen heiss und süss und gut. Wenn auch im Ambiente etwas der rote Faden fehlt, das Rössli schafft den Spagat zwischen Beiz und «Gault ­Millau» mit Sympathie und ­Charakter. (Landbote)

Erstellt: 19.03.2018, 08:47 Uhr

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