Pro und Contra

Braucht es den Muttertag überhaupt?

Morgen werden – wie an jedem zweiten Sonntag im Mai – die Mütter gefeiert. Zurecht? Ein Pro und Contra:

Am Sonntag werden im ganzen Land die Mamis geehrt. Ist das noch zeitgemäss?

Am Sonntag werden im ganzen Land die Mamis geehrt. Ist das noch zeitgemäss?

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ja

Ja Liebe Ehemänner, Partner, Söhne und Töchter, wer am Muttertag denkt, es sei mit Blumen kaufen und Frühstück ans Bett bringen getan, soll seine Blumen selber essen. Deswegen ist der Muttertag aber keineswegs nicht mehr zeitgemäss. Sondern wichtiger denn je.

Mütter wären nämlich sehr teuer, aber wir bezahlen sie nicht und tun so, als ob das in Ordnung wäre. Auch wenn sich viele Väter Mühe geben: Mütter übernehmen noch immer zwei Drittel der Kinderbetreuung in der Schweiz. Das entspricht einem durchschnittlichen Pensum von 20.5 Stunden pro Woche, unbezahlt!

Nur schon dafür müssten die meisten Firmen am Muttertag mindestens lastwagenweise Blumen in die Schweizer Vorgärten kippen. Oder endlich passende Strukturen schaffen. Dadurch entgehen Müttern und anderen lieben Menschen, die sich um Angehörige kümmern, in der Schweiz jährlich rund 80 Milliarden Franken Lohn. Geld, das später in ihren Pensionskassen fehlt. Und Blumen ernähren schlecht.

Mütter kümmern sich. Manchmal tut man, als ob es nerven würde. Nie würde eine Mutter sagen: «Ja mein Sohn, stürz dich doch an diesem Gummizug aus einem Helikopter, die Erfahrung wird dein Leben bestimmt bereichern.» Warum nicht? Weil alles in ihnen schreit: «Kind, bleib um Himmelswillen gesund!»

Niemand hört immer auf seine Mutter. Und trotzdem lieben Mütter ihre Kinder auch noch hinterher. Wenn man als Erwachsener Sorgen hat, die keiner hören will, dann hört die eigene Mutter zu. Denn Müttern ist es nicht egal, was ihre Kinder tun - nie!

Mütter sind stark, weil sie stark sein müssen für das Wichtigste was in ihrem Leben ist. Mütter sind vielleicht die einzigen, für die aufgeben tatsächlich keine Option ist. Den Muttertag haben geschäftstüchtige Blumenhändler anfangs des letzten Jahrhunderts nach Europa geholt. Seither bedanken sich Töchter, Söhne, Partner und Ehemänner an einem Tag im Jahr mit Blumen. Aber das reicht nicht, wenn man die restlichen 364 Tage tut, als ob alles in Ordnung wäre.

Denken Sie morgen einmal 24 Stunden darüber nach, was sich im restlichen Jahr ändern soll. Aber Frühstück ans Bett, Blumen und Briefe sind natürlich trotzdem schön. Als Entschuldigung für die letzten Jahrzehnte.

Nein

Der Muttertag gehört dringend abgeschafft. Er ist ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert, der völlig kommerzialisiert worden ist. Und: Er reduziert die Mütter auf «Dienstleistungen», wie Kochen, Waschen, Putzen. Damit zementiert der Tag alte, längst überholte Rollenbilder.

Heute sieht der Alltag von Familien ganz anders aus. Die meisten Mütter sind erwerbstätig. Väter engagieren sich zu Hause. Nicht nur in der Hausarbeit, sondern auch in der Kinderbetreuung und der Erziehungsarbeit.

Genau deshalb hat die deutsche Supermarktkette Edeka mit ihrem Werbespot zum Muttertag viel Kritik auf sich gezogen. Darin zu sehen sind Väter, die versagen, wenn sie sich um ihre Kinder kümmern sollten. Am Ende sagt ein Kind zu seiner Mutter: «Danke, Mama, dass du nicht Papa bist.»

Alle Väter, die diesen Spot sehen, sind wohl zu Recht beleidigt. Für Mütter ist er ebenfalls ein Hohn. Er suggeriert, dass sie sich eben um die Kinder kümmern sollten, denn die Männer können es einfach nicht – auch wenn sie sich redlich bemühen. Die Frauen werden als kompetent hingestellt, während es die Männer nur falsch machen können.

Dass Mütter sich bestens kümmern, streitet wohl niemand ab. Selbstverständlich haben auch Väter diese Kompetenz, und sorgen sich genauso gut um Kinder und Haushalt. Der Muttertag zelebriert das Edeka-Bild. Das ist weit weg von der Realität, die Familien kennen.

Viele werden einwenden, dass es am Muttertag darum geht, der Mutter Wertschätzung entgegen zu bringen. Klar, auch ich freue mich über Zeichnungen meiner Kinder. Aber nicht ausschliesslich am Muttertag. Die Wertschätzung dafür, dass der Karren läuft, sollte in einer Familie allen gelten. Und alle sollten schauen, dass der Alltag funktioniert.

Statt einen Muttertag zu feiern, sollte man einen Familientag einführen. Einen Tag, an dem man sich ganz bewusst füreinander Zeit nimmt, die Handys weglegt und eine schöne Zeit zusammen verbringt. Die Wertschätzung füreinander gehört nämlich in den Alltag und sollte sich nicht auf ein einziges Datum im Jahr beschränken.

Erstellt: 10.05.2019, 16:57 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!