Analyse

Das Schlossguet entwickelt sich zum Symbol für Stillstand und Zerfall

Trotz langer Planung bröckelt die historische Scheune im Turbenthaler Ortskern weiter vor sich hin.

Die Scheune an zentraler Lage ist in schlechtem Zustand.

Die Scheune an zentraler Lage ist in schlechtem Zustand. Bild: mas

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In Turbenthal steht ein unrühmliches Jubiläum bevor. Bald sind 30 Jahre vergangen, seit die Gemeinde das Schlossguet gekauft hat. Und noch immer ist völlig offen, was sie mit dem historischen Gebäude im Ortskern anstellen soll. Dabei wären Ideen längst vorhanden.

Erst kürzlich hat der Gemeinderat ein Projekt versenkt, das die weitgehend leerstehende Scheune mit Leben füllen sollte. Ein Haus der Kultur mit Bibliothek und einem Informationszentrum waren vorgesehen. Viele Stunden an Freiwilligenarbeit steckten in den detailreichen Plänen. Verworfen hat sie der Gemeinderat mit einer knappen Medienmitteilung und der Begründung, das Vorhaben sei zu teuer für Turbenthal. Zuerst suchte das Gremium noch nach einer neuen Trägerschaft, dann stoppte es wenige Monate später auch diese halbherzigen Bemühungen.

Das denkmalgeschützte Schlossguet ist so baufällig geworden, dass es bald in sich zusammenfallen könnte.

Eine überzeugende Alternative oder gar eine langfristige Vision liefert der Gemeinderat hingegen nicht. Stattdessen soll sich zum wiederholten Mal eine Arbeitsgruppe um das Ganze kümmern. Welche neuen Erkenntnisse diese nach all den Jahren ans Tageslicht bringen soll, bleibt für Aussenstehende unklar.

Im Moment ist deshalb nur eines gewiss: Schnell soll es plötzlich gehen, wie der Gemeinderat betont. Noch in dieser Legislatur müsse eine Lösung her. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Das denkmalgeschützte Schlossguet ist so baufällig geworden, dass es bald in sich zusammenfallen könnte. Bereits hatten sich im Gemäuer erste Risse gebildet, die Wand musste notfallmässig repariert werden. Geht es noch länger so weiter, droht das Gebäude an der viel befahrenen St. Gallerstrasse langsam zu einem Symbol zu werden – zu einem Symbol für Stillstand und Zerfall in der Gemeinde.

Dabei könnte die historische Scheune das Gegenteil bewirken. Die erarbeiteten Pläne mögen ihre Schwächen haben, die Stossrichtung aber stimmt. Ein regionales Kulturzentrum, das die Besonderheiten der Gegend herausschält und zur Schau stellt, hat Potenzial. Einerseits könnte es als Anlaufstelle für Schulklassen dienen, die sich mit den Spezialitäten des Tösstals beschäftigen wollen.

Andererseits wäre es als Ziel für Ausflügler aus der Region interessant. Nicht erst seit der Klimadebatte liegen Reisen in die nahe Umgebung im Trend. Ebenfalls gefragt sind Arbeitsplätze für Studenten, Kunstschaffende oder womöglich sogar für Start-ups. Möglich sind laut Konzept auch Vermietungen für Hochzeitsfeiern, Lesungen, Geburtstage oder weitere Veranstaltungen.

Gewiss kostet eine derartige Aufwertung der Scheune viel Geld. Die Gemeinde mit ihren 4900 Einwohnern müsste das Projekt für circa 7,5 Millionen Franken allerdings nicht alleine tragen. Der Kanton hat zwar weniger Unterstützung zugesichert, als ursprünglich erhofft. Deswegen gleich aufzugeben und das ganze Projekt abzuschreiben, ist aber verfrüht. Haben sich Kantonsrätinnen und Kantonsräte aus dem Tösstal und dem Zürcher Oberland bereits für das Vorhaben eingesetzt? Und die wichtigste Frage: Wie stellt sich die Turbenthaler Bevölkerung zu den Plänen? Eine schon mehrfach versprochene Abstimmung hat bisher nicht stattgefunden. Nur eine solche könnte endlich Klarheit bringen.

Denn egal wie es weitergeht. Das Schlossguet wird die Gemeinde sowieso einiges kosten. Ein vermögender privater Retter ist nicht in Sicht und nur schon eine Sanierung der Aussenhülle kostet geschätzte 1,5 Millionen Franken.

Erstellt: 17.04.2019, 16:53 Uhr

Rafael Rohner ist Regionalredaktor beim Landboten.

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