Kommentar

Kulturbetriebe können das auch

Kulturredaktor Helmut Dworschak kommentiert die Stellenmeldepflicht, die künftig auch für Theater gelten soll.

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Die meisten Theaterbetriebe lehnen die neue Stellenmeldepflicht klar ab. Dafür kann man Verständnis haben, zumal der Sinn der Regelung nicht nur von Kulturbetrieben bestritten wird. Irritierend ist aber die Selbstverständlichkeit, mit der sie den Anspruch auf eine Sonderrolle einfordern.

Unter dem Strich dürfte vieles beim Alten bleiben.

Vielen ist wohl nicht bewusst, dass die Stellenmeldepflicht, mit der die Masseneinwanderungsinitiative umgesetzt werden soll, in der jetzigen Form eine komfortable Light-Variante ist, die auf Freiwilligkeit beruht: Die Vorschläge der Arbeitsämter müssen nicht berücksichtigt werden, eine Begründung dafür braucht es auch nicht. Unter dem Strich dürfte vieles beim Alten bleiben.

Für den Fall, dass die Massnahme keine Wirkung zeigt, droht aber eine stärkere Regulierung in Form einer Kontingentierung. Der Anteil von Beschäftigten aus dem Ausland dürfte dann einen bestimmten Prozentsatz nicht mehr überschreiten. Käme es dazu, würden am Ende tatsächlich die Arbeitsämter die eine oder andere Rolle besetzen. Das wäre das Ende der Kunstfreiheit. Noch ist es nicht soweit.

Die Theaterbetriebe können die Stellenmeldepflicht in ihrer jetzigen Form genauso gut einhalten wie das Baugewerbe oder das Gastgewerbe. Auch in diesen Branchen nehmen die Betriebe lieber geeignete Bewerber als ungeeignete. Es geht nur darum, sich zuerst das Angebot der Arbeitsämter anzusehen – entscheiden werden am Ende die Theater, nicht die RAVs. Es ist nicht einzusehen, weshalb Theater das nicht sollten tun können.

An der Umsetzung der Initiative müssen sich alle beteiligen. Sofort darauf zu pochen, eine Ausnahme zu sein, wirkt arrogant und unsolidarisch. Kulturbetriebe sollten es sich zweimal überlegen, ob sie wirklich diese Haltung einnehmen wollen. (Der Landbote)

Erstellt: 29.06.2018, 14:56 Uhr

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