Analyse

Pfungen sei kühn!

Karl’s kühne Gassenschau will ab 2021 in Pfungen eine grosse Show aufführen. Das sollte nicht an Details scheitern.

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Bunt, spektakulär und mit ein bisschen Pyrotechnik. Bei Karl’s kühner Gassenschau ist selbst ein Informationsanlass eine kleine Show. Statt trockener Erklärungen gab es für die Pfungemerinnen und Pfungemer am Samstag so bereits eine artistische Vorstellung. Ein schöner Vorgeschmack auf die Produktion, die ab 2021 auf dem Gelände der Deponie Bruni in Pfungen gezeigt werden soll.

Die «Gassenschau» ist nicht nur ein Schauspiel, sondern eine Grossproduktion. Darum ist klar: Die Abendvorstellungen werden auch Lärm verursachen. Die Tausenden von Besucherinnen und Besuchern müssen irgendwie aufs Festgelände kommen, und es werden sicher nicht alle mit dem öffentlichen Verkehr anreisen. Da ist es verständlich, dass sich die Anwohnerinnen und Anwohner genau informieren wollen und dass auch kritische Fragen gestellt werden. Genau dazu ist ein Informationsanlass ja da. Und genau dafür ist die Schweiz ja auch bekannt: Die Bürgerinnen und Bürger sollen einbezogen und ihre Bedenken möglichst weitgehend berücksichtigt werden.

Allerdings kann man es mit der kritischen Sichtweise dann auch übertreiben. Zum Beispiel beim Lärm: Auf dem Gelände der Deponie fahren derzeit grosse Baumaschinen hin und her, die auch nicht gerade leise sind. Am Abend rattern Züge über die nahe Bahnstrecke, darunter laute Kiestransporte, und die nebenan angesiedelten Transportbetriebe verursachen auch nicht nur zu den Bürozeiten Immissionen.

Sicher: Eine Theatershow soll gegenüber anderen Betrieben nicht bevorzugt behandelt werden. Aber die artistischen Neuankömmlinge nun übermässig kritisch zu behandeln, wäre auch übertrieben. Das gilt ebenso beim Thema Verkehr: Die Organisatoren der «Gassenschau» haben am Informationsanlass gezeigt, dass sie sich der lokalen Probleme bewusst sind. Darum wollen sie vor allem auf den öffentlichen Verkehr setzen. Das Gelände in der Nähe des Bahnhofs ist dafür auch optimal geeignet.

Denn ob dieser kritischen Punkte sollte man das Grundsätzliche nicht aus den Augen verlieren: Die Gemeinde Pfungen wird von der «Gassenschau» stark profitieren, in harter Währung und bei «weichen» Faktoren. Rechnen wird sich das Gastspiel sicher fürs lokale Gewerbe, das bei der Auftragsvergabe berücksichtigt werden soll. Nicht nur, dass für Bühne und Zuschauerraum eine grosse Infrastruktur aufgebaut wird: Karl’s kühne Gassenschau ist auch ein mittleres KMU mit Dutzenden Angestellten, die für zwei Saisons in der Gemeinde arbeiten und verpflegt werden wollen.

Der eigentliche Gewinn für Pfungen lässt sich hingegen nicht in Franken und Rappen berechnen: Die Gemeinde war in den letzten Jahren in der Region Winterthur vor allem für ihre grossen Neubausiedlungen bekannt – und für die Probleme, die sie sich damit eingehandelt hat. Jetzt wird Pfungen Standort einer der angesagtesten Produktionen der Schweizer Kunstszene. Andere Gemeinden und Städte geben viel Geld aus, um ein neues Logo zu entwerfen und ihr Image so aufzupolieren. Pfungen wird plötzlich gratis eine Kulturstadt. Die Anwohnerinnen und Anwohner sollen darum ihre kritischen Fragen stellen. Und Gemeinde und Organisatoren sollen sich bemühen, die Belastung von Mensch und Umwelt möglichst gering zu halten. Grundsätzlich bietet die «Gassenschau» der Gemeinde aber eine einmalige Chance. Hoffentlich ist Pfungen kühn genug, diese auch zu packen.

Erstellt: 02.04.2019, 09:13 Uhr

Jakob Bächtold,
Stv. Chefredaktor

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