Kommentar

So viel muss uns die Demokratie wert sein

Das Winterthurer Parlament hat sich selbst die Entschädigung erhöht. Und das zu Recht.

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Man könnte meinen, sich selbst den Lohn zu erhöhen, sei eine schöne Aufgabe. Eine Wunschvorstellung fürs Jahresgespräch mit dem Vorgesetzten oder der Chefin. Dass die finanzielle Selbsteinstufung aber auch undankbar sein kann, zeigt der aktuelle Fall des Winterthurer Gemeinderats. Am Montagabend haben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier neue Entschädigungen festgelegt. Profiteure der neuen Regelung sind sie selbst.

Obwohl alles hoch korrekt ablief, war es den Politikerinnen und Politikern offensichtlich nicht wohl bei der Sache. Sie rechtfertigten sich ausführlich für die Erhöhung. Und prompt ernteten sie im Internet auch Schelte. Sogar eine ehemalige Gemeinderatspräsidentin postete auf Facebook einen kritischen Kommentar.

Auch die Ratsmitglieder können zufrieden sein: 6000 Franken sind mehr als eine Anerkennung.Jakob Bächtold
Stv. Chefredaktor

Natürlich ist es populär, die Politikerinnen und Politiker für ihre nicht immer perfekte Arbeit zu kritisieren. Wir Journalisten machen das ja hauptberuflich. Doch es muss auch einmal gesagt sein: Wer sich in der Politik engagiert, hat eine anständige Entschädigung verdient.

Die Summen, die sich die Winterthurer Gemeinderatsmitglieder auszahlen, sind nicht fürstlich: Gemäss Ratspräsident waren es bisher, alles eingerechnet, rund 5000 Franken im Jahr. Dies für einen Job, der einen pro Woche einen bis anderthalb Tage in Anspruch nimmt. Nun sind es rund 700 Franken mehr. So viel muss uns die Demokratie wert sein.

Gleichzeitig können jetzt auch die Ratsmitglieder zufrieden sein. Knapp 6000 Franken sind ein Nebenverdienst, der im persönlichen Jahresbudget spürbar ist. Natürlich ergibt das noch keinen üblichen Stundenlohn, aber es ist doch mehr als eine blosse Anerkennung.

Entlöhnung und Anerkennung sind in unserer Gesellschaft eng verknüpft. Ruhm und Ehre allein zählen nicht mehr viel. Die langen Rechtfertigungen der Politikerinnen und Politiker für die höheren Entschädigungen sind darum nicht nötig. Manchmal strotzen die Volksvertreter nur so vor Selbstvertrauen.

In der Lohndiskussion waren sie plötzlich in der Defensive. Das muss nicht sein. Denn seriöse politische Arbeit abzuliefern und damit für eine gut funktionierende Gemeinschaft zu sorgen, hat einen hohen Wert.

Erstellt: 06.11.2019, 11:46 Uhr

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