Leitartikel

«Besinnen wir uns vertieft auf die Geburt des Sohnes Gottes unter uns Menschen»

Gedanken eines katholischen Pfarrers zum Familienfest.

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Der Advent läutet eine beson­dere Zeit des Kirchenjahres ein. Wir feiern die Menschwerdung Gottes in seinem Sohn Jesus Christus. Gott zeigt nicht nur Interesse am menschlichen Leben, sondern solidarisiert sich mit dem Menschen und erhebt das mensch­liche zum göttlichen Leben. Mit der Geburt Jesu in unserer Welt wird die Vorstellung von einem Gott, der sich nicht um die Anliegen des Menschen kümmert, hinfällig. Ein Gott, der unerreichbar, unnahbar ist? Nein! Jesus ist Mensch geworden, hat wie wir Freude empfunden und Leid erfahren. Er hat dem Leben in der Gemeinschaft der Familie einen ganz besonderen Wert verliehen.

An Weihnachten werfen wir den Blick auf die Zukunft, auf die Versöhnung mit Gott. Auch wenn Gott durch seine Allmacht seinen Sohn ohne weiteres auf eine andere Weise in die Welt hätte senden können, wählt er den Weg der Menschwerdung und legt das Schicksal Jesu teilweise in die Hände von Menschen, welche dazu Ja gesagt haben.

Um Weihnachten her­um erleben wir auch eine Zeit, in der die Menschen besonders umtriebig sind. Geschenke kaufen ist angesagt, das kann unter Umständen zu einer ungesunden Hektik führen. Weihnachten wird besonders im Kreise der Familie gefeiert. Manchen Menschen wird in dieser Zeit wieder bewusst, dass sie keine eigene Familie haben. So bemühen sich viele religiöse Gemeinschaften, solche Menschen zu einer Feier einzuladen und ihnen zu ermöglichen, sich in einer Art Familie zu fühlen. Wie erfreulich, dass viele Menschen, auch die Christen, über ihren eigenen Tellerrand schauen und dort helfen, wo es notwendig ist.

Während auf unserem Kontinent Schnee, Kälte und Dunkelheit herrschen, ist das Wetter zum Beispiel in Afrika warm, ja sogar heiss. Und so ist es kein Wunder, dass die Menschen dort Weihnachten anders feiern. In Nigeria gibt es keinen Schnee, keinen Weihnachtsbaum, in vielen Kirchen keine Krippe. Man sagt, die Nigerianer lieben Weihnachten so sehr, dass sie sogar den eigenen Tod verschieben würden, bis die Festzeit vorbei ist. Danach kann der Tod kommen. In meiner Kindheit haben wir auf Weihnachten hin Lieder und einen besonderen Tanz gelernt, was wir während den Fest­tagen vor jedem Haus vortrugen und wofür wir dann ein wenig Geld bekamen.

Die Kirchen werden an den Torpfos­ten mit Palmblättern und blühenden Hibiskuszweigen dekoriert, der Altarraum mit künstlichen Bändern, eine aus der englischen Kolonialzeit erhaltene Tradition. Kinder singen Christmas Carols vor den Häusern und verkünden die Menschwerdung Christi als Frohe Botschaft. Die Uniformen für die Lieder und Tänze gelten schon als Weihnachtsgeschenk für die Kinder. Während man hierzulande Weih­nach­ten in den Stuben feiert, finden in Nigeria alle Fei­ern draus­sen statt. Sehr viele Nigerianer kommen in dieser Zeit nach Hause, um mit ihren Liebsten die Geburt Christi zu feiern. Man nützt diese Gelegenheit, um sich allenfalls in der Familie oder im Dorf untereinander zu versöhnen und Frieden zu schliessen.

Auch politische Gemeinden nutzen diese Zeit, um Budgets zu erstellen und Projekte für die Weiterentwicklung ihres Dorfes zu planen­. Zu den üblichen Weihnachtsgeschenken gehören Lebens­mittel, Kleider, Schuhe, Schuluniformen, Bücher und jede Art von Nettigkeiten. Man kann auch einer Pfarrei ein Weihnachtsgeschenk machen, indem man ihr einen Computer kauft oder die Renovation der Pfarrkirche unterstützt. Ich wünsche mir, dass die Menschwerdung Christi nicht von Stress und unkontrollierten Aktivitäten überschattet wird. Besinnen wir uns vertieft auf die Geburt des Sohnes Gottes unter uns Menschen.

Ich wünsche allen eine gesegnete Weihnachtszeit und, so wie es der Engel den Hirten verheissen hat, den Frieden allen Menschen seiner Gnade. (Landbote)

Erstellt: 24.12.2018, 09:12 Uhr

Benignus Chukwunedum Ogbunanwata wurde 1963 in Nigeria geboren. Er hat in Innsbruck Theologie studiert und lebt seit 1999 in der Schweiz. Seit 2006 ist er in der Pfarrei St. Pirminius in Pfungen tätig, zuerst als Seelsorger, dann als Pfarrer.

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