Leitartikel

Die Pläne der Stefanini-Stiftung müssen für die Stadt ein Weckruf sein

Die Stefanini-Stiftung sucht einen Standort für ein Sammlungshaus. Jetzt ist auch die Stadt gefordert.

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Wenn die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) die Medien ins Sulzer-Hochhaus einlädt, trägt man sich den Termin als Journalist fett in die Agenda ein. 2019 ist viel passiert in der Stefanini-Stiftung, und so viel ist sicher: Es wird spannend bleiben.

Was dann am Dienstag an der Pressekonferenz verkündet wurde, zur strategischen Ausrichtung bei Sammlung und Immobilien, blieb für einmal eher papieren: «Organisationsentwicklung», «Portfolio-Optimierung», «akquisitorisches Wachstum» wurden vorgestellt und «Handlungsanweisungen zur Sammlungsstrategie»: Kooperativ, transparent, innovativ und partizipativ wolle man sich präsentieren. Nichts, was als Nachricht um die Welt gehen würde, wie zuletzt die neu entdeckten Skizzen zum «Kleinen Prinzen». Sie waren bei der angelaufenen Inventarisierung der 100000 Stück starken Kunst- und Kulturgütersammlung zum Vorschein gekommen.

Die SKKG hat sich im letzten Jahr professionalisiert und neu aufgestellt, strategisch wie organisatorisch, mit neuen Köpfen und grösseren Teams. An der Spitze steht Stiftungsratspräsidentin Bettina Stefanini. Christoph Lichtin und sein Team sollen Ordnung in das gigantische Konvolut bringen, bei der Bewirtschaftung der Liegenschaften übernahm Renzo Fagetti.

Der Stadtpräsident und die Standortförderung sollten alles daransetzen, dass die SKKG ihr Sammlungshaus in Winterthur eröffnet, dafür kämpfen und aktiv auf die Stiftung zugehen, ohne zu zaudern und zu zögern.

Die Stiftung ist und bleibt eine Stiftung mit schweizweitem Blick und Auftrag, das hat Bettina Stefanini immer wieder betont. Schloss Grandson mit seinem Museum bleibt ein Grossprojekt, Preziosen sollen in der ganzen Schweiz ausgestellt werden, und das Immobilienimperium, das jährlich gegen 40 Millionen Franken in die Kasse spült, erstreckt sich vom Bodensee bis nach Wettingen.

Und doch hat die Stiftung zuletzt mehrere starke Bekenntnisse zur Stadt Winterthur abgegeben: Sie hat den Hauptsitz von Küsnacht ins Sulzer-Hochhaus verlegt und wächst künftig in Winterthur. Hier investiert sie in den nächsten zehn Jahren einen Grossteil der geplanten 400 Millionen Franken in die teils baufälligen Wohnhäuser, auch in der Altstadt und getreu dem Stifterwillen «einfach, billig und gut». Die Mieten sollen nur moderat steigen. Und hier, in Winterthur, sucht die SKKG nun einen Standort für ihr sogenanntes Sammlungshaus, 6500 Quadratmeter gross. Es ist als «offenes Depot» mit Showroom geplant. Auf öffentlichen Rundgängen werden Teile der Sammlung und Restaurationsarbeiten gezeigt.

«Die Stadt ging bereits auf die Stiftung zu. Gut so. Aber das darf nur ein erster Schritt sein.»Bettina Stefanini

Auch beim neuen Sammlungshaus geht der Blick über die Stadtgrenze hinaus: Wird man in Winterthur nicht fündig, weicht man an einen anderen Standort aus. Für die Standortförderer von House of Winterthur und den Stadtpräsidenten als Kulturvorsteher muss dies ein Weckruf sein. Sie sollten alles daransetzen, dass die SKKG ihr Sammlungshaus in Winterthur eröffnet, dafür kämpfen und aktiv auf die Stiftung zugehen, ohne zu zaudern und zu zögern.

Die Stadt habe bereits «grosses Interesse an einer Unterstützung» bekundet, sagte Bettina Stefanini. Gut so. Aber das darf nur ein erster Schritt sein. Von der Sammlung ist heute erst ein Bruchteil inventarisiert. Sie ist ein riesiger Kulturschatz, der noch Tausende neue Fundstücke zutage fördern wird, überraschende, skurrile, seltene, wertvolle und weniger wertvolle. Das sollte nicht in Abtwil, Bachenbülach oder Cossonay passieren, sondern in der Kulturstadt Winterthur.

Erstellt: 16.01.2020, 09:23 Uhr

Till Hirsekorn, Redaktor Stadt (Bild: mad)

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