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Das neue Stadtzentrum schwächelt

Neuhegi soll – man hat es schon oft gehört – zu einem zweiten Stadtzentrum Winterthurs werden. Dass dies nicht von alleine geht, zeigen die folgenden drei Meldungen aus dieser Woche.

  • Erstens: «Drei Monate gratis Wohnen.» Mit dieser «einmaligen Spezialaktion» versucht die Neubausiedlung Sue&Til Erstmieter nach Neuhegi zu locken. Ein Nachbar erzählt, dass man an einem Tag der offenen Tür an einer Tombola sogar ein halbes Jahr Miete geschenkt bekommen konnte, wenn man denn einen Mietvertrag abschloss. Das erinnert an eine Rabattschlacht. Bereits vor den Sommerferien hat der «Landbote» darüber berichtet, dass die Neuzuzüger nicht mehr so problemlos nach Neuhegi strömen wie früher. Auch die benachbarte Siedlung Roy verzeichnet Leerstände.
  • Zweitens: Beim Mittagessen in einem für Wiener Spezialitäten bekannten Bistro an der Else-Züblin-Strasse in Neuhegi erklärt die Wirtin, sie müsse ihr Geschäft leider in wenigen Wochen schliessen. Als Grund erwähnt sie die Eröffnung des Migros-Restaurants an der Sulzeralle, nur wenige Meter entfernt. Sie sagt, eine weitere Bar und eine Imbissbude im Quartier kämpften wegen der neuen Konkurrenz ebenfalls ums Überleben. Dabei hoffte man, die Gastro- und Kleingewerbeszene im neuen Stadtteil komme nun endlich in Schwung.
  • Drittens eine Meldung aus der Politik: Die lange diskutierte Erschliessungsstrasse für Neuhegi ist vom Bund zurückgestuft worden. Unausgereift und zu teuer sei sie, so der Bescheid aus Bern zur geplanten 200-Millionen-Franken Strasse mit Tunnel. Wie der «Landbote» am Dienstag öffentlich machte, ist die für die Jahre 2023 bis 2026 vorgesehene Finanzierung auf unbestimmte Zeit verschoben. Baustadträtin Christa Meier (SP) macht zwar auf Optimismus, man sei zuversichtlich, dass das Winterthurer Projekt auf der nationalen Liste der Aggloprojekte wieder nach oben rücke.

«Die Erschliessung Neuhegi ist ein Paradebeispiel für vermurkste Planung.»

Doch selbst wenn dies gelingen sollte: Die Strasse ist ein Paradebeispiel für vermurkste Planung. Das jetzige Projekt führt von der Autobahnausfahrt Oberwinterthur um enge Ecken und dann durch einen Tunnel, von dem noch nicht einmal die Endpunkte klar bestimmt sind. Vor fünf Jahren einigte sich ein runder Tisch nach langem Hin und Her auf diesen Kompromiss.

Ausgehandelt hatte ihn die damalige Baustadträtin Pearl Pedergnana (SP). Dass sie sich für diese Strasse so stark machte, kostete sie bei linken Wählerinnen und Wähler viele Sympathien. Mit ein Grund dafür, dass sie kurz darauf abgewählt wurde. Die Stadt hat die Stelle eines Projektmanagers für diese Strasse bisher noch nicht besetzt. Bei einem so wichtigen und so teuren Vorhaben ist dies ein erstaunliches Versäumnis.

Die positiven Entwicklungen in Neuhegi sollen hier nicht verschwiegen werden: Vor Kurzem wurde das neue Schulhaus eröffnet. Es ist so überzeugend geraten, dass bei der Einweihung kaum jemand erwähnte, dass es bei der Planung des Quartiers einst vergessen ging.

Neben dem Schulhaus wird derzeit ein neuer Teil des Parkrings erstellt, der in Zukunft eine grüne Spur durch den Stadtteil ziehen soll. Doch auch hier gibt es einen kritischen Beigeschmack: Denn während dieser Teil des Parkplans umgesetzt wird, wartet das letzte Stück des Eulachparks nun schon seit Jahren auf die Vollendung. Immerhin: Diese Woche hat das Altersprojekt Vivale an der Sulzer-Allee die Baubewilligung erhalten, damit wächst das Quartier weiter. Und im ehemaligen Hauptsitz von DMG Mori sind offenbar grosse Teile der Mietflächen reserviert; da könnte bald wieder Leben einkehren.

Unter dem Strich bleibt eine durchzogene Bilanz. Das neue Stadtzentrum schwächelt. Die zukünftige Entwicklung ist ungewiss. Wie soll das Quartier weiter wachsen, wenn die Erschliessung nicht funktioniert?

Bei der Entwicklung von Neuhegi wurde in den letzten Jahren oft gespart. Der Parkausbau wurde verzögert, auch der Bau einer längst fälligen Velounterführung hinausgeschoben.

Dabei zeigen nur schon die Ereignisse dieser Woche: In den Stadtteil muss noch viel Entwicklungsarbeit gesteckt werden. In Anlehnung ans neue Winterthurer Logo: nicht halbherzig, sondern mit vollem Einsatz. Sonst entsteht kein neues Stadtzentrum, sondern ein halbfertiges Aussenquartier.

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