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Die Stefanini-Blockade ist gelöst ­– endlich

MeinungJakob Bächtold

Dass das Bundesgericht den Streit um die Stefanini-Stiftung entschieden hat, ist gut für die ganze Stadt Winterthur. Während des Rechtsstreits befand sich die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte vier Jahre lang in einem Schwebezustand. Nun weiss man endlich, wie es weitergehen wird.

Und die Aussichten stimmen zuversichtlich: Bettina Stefanini weiss, was sie will. Sie weiss auch, was auf sie zukommt, denn sie kennt die Sammlung ihres Vaters – und den Vater selbst – ganz genau. Sie hat die Zeit der Ungewissheit auch nicht ungenutzt verstreichen lassen: Der Stiftungsrat ist längst zusammengestellt, als Schattenkabinett aktiv und hat die Strategie bereits festgelegt. Der Auftritt von Bettina Stefanini am Montagabend hat keinen Zweifel daran gelassen: Sie fühlt sich nicht nur dazu verpflichtet, die Stiftung ihres Vaters Bruno Stefanini in eine gute Zukunft zu führen, sondern sie freut sich richtig darauf.

Es gibt gleich mehrere Gründe, warum die Stefanini-Stiftung für Winterthur so wichtig ist: Zunächst ist da die Sammlung im Stiftungsbesitz. Auch wenn nicht jedes Sammlungsstück von grossem künstlerischem Wert ist, auch wenn einzelne Objekte wohl eher als Kuriositäten oder Trouvaillen einzuordnen sind, ist sie insgesamt eine Sammlung, die in der Schweiz ihresgleichen sucht. Dass sie gepflegt wird und erhalten bleibt, ist entscheidend. Wenn sie sich öffnet und die Kunst vermehrt den Weg zum Publikum findet, wie das Bettina Stefanini am Montag als Ziel erklärt hat, kann sie eine grosse Strahlkraft entwickeln.

Was die Stefanini-Stiftung von anderen Kulturstiftungen unterscheidet: Sie verfügt über riesige finanzielle Summen. Denn der Gewinn der Stefanini-Immobilien fliesst in ihre Kasse. Anders als die Stiftungen der Kunstmuseen, deren Mittel zur Neige gehen, kann die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte auch in Zukunft etwas bewegen und grosse Projekte auf die Beine stellen.

Mindestens so wichtig wie die Sammlung ist der Immobilienbesitz. Welche Liegenschaften aus dem immensen Portfolio Bruno Stefaninis sich im Eigentum der Terresta, der Immobilienfirma, befinden und welche schon jetzt der Stiftung gehören, ist – wie so vieles in dieser Geschichte – undurchsichtig, wohl zufällig. Entscheidend ist: Beim Tode des 94-jährigen Bruno Stefanini gehen alle Immobilien an die Stiftung über. Dann wird sie eine der wichtigsten Grundeigentümerinnen der Stadt sein. Wie sie geführt wird, hat nicht nur direkte Folgen für Tausende von Mieterinnen und Mieter, es istauch entscheidend für das Winterthurer Stadtbild.

Darum ist der Ausgang des Stefanini-Rechtsstreits erfreulich für die Stadt. Bettina Stefanini und ihr Stiftungsrat sind seriös aufgestellt und haben eine klare Strategie präsentiert. Anders als die Gruppe um Dora Bösiger, gegen die wegen Verdachts auf Urkundenfälschung noch ein Strafverfahren hängig ist.

Ein Wermutstropfen ist die klare Aussage Bettina Stefaninis, in Winterthur kein neues Museum für die Kunstsammlung eröffnen zu wollen. Der Traum, dass die neue Machthaberin kommt und mit ihren unermesslichen finanziellen Möglichkeiten ein grosses Museum in die Stadt zaubert, ist geplatzt.

Wenn man nüchtern überlegt, macht diese Haltung jedoch Sinn. Es gibt tatsächlich schon genug Museen in der Stadt. Die bestehenden Probleme ­– etwa die nicht optimalen Platzverhältnisse und das Provisorium über dem Parkplatzhinter dem Kunstmuseum, das bald einen definitiven Ersatz braucht – hätte auch ein Stefanini-Museum nicht gelöst. Im Gegenteil: Ein neuer Standort wäre auch eine Konkurrenz. Da ist die Kooperation mit der Stiftung, zu der Bettina Stefanini ausdrücklich eingeladen hat, eine grössere Chance für die Kulturstadt. Auch wenn es nun gut läuft mit der Stefanini-Stiftung: Winterthur muss sein Museumsproblem selber lösen.

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