Leitartikel

Grün ist bei der SVP nur das Parteilogo

Einzelne SVP-Exponenten fordern in ihrer Partei eine Umwelt-Diskussion. Sie stehen damit alleine da.

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Konrad Langhart aus Stammheim sagte vor drei Jahren in einem «Landbote»-Interview einen bemerkenswerten Satz: «Als Bauer bin ich ein Grüner.» Das war kurz nachdem er zum Zürcher SVP-Präsidenten gewählt worden war.

Nach den verlorenen Wahlen am Sonntag wiederholte er die Aussage und forderte, dass seine Partei ihre Klimapolitik debattieren müsse. Er ist nicht der einzige in der Partei, der so denkt.

Auch die neu gewählte Kantonsrätin und Nationalrätin Therese Schläpfer wollte sich in die Klimadebatte einbringen: «Gerade die Landwirte in unserer Partei tragen der Umwelt Sorge», sagte sie. «Wir sollten das vielleicht mehr nach aussen tragen.»

Doch schon kurze Zeit später war klar: Die beiden stehen mit ihrem Anliegen in ihrer Partei ziemlich allein da. Die SVP will drängende Umweltprobleme weiterhin herunterspielen und sich möglichst gar nicht damit beschäftigen. Nun hat Langhart seinen Rücktritt als Präsident angekündigt, zusammen mit der restlichen Parteileitung.

Die Partei sollte mehr auf ihren zurücktretenden Regierungsrat Markus Kägi hören.

Zuvor hatte der nationale SVP-Präsident Albert Rösti in einem Interview mit dieser Zeitung die Richtung vorgegeben und damit gleichzeitig Langhart abgekanzelt: «Es wäre politisch völlig falsch, wenn wir jetzt, sieben Monate vor den eidgenössischen Wahlen, auf den Klimazug aufspringen würden.»

Seine Direktive konnte kaum überraschen: Ist doch Rösti Präsident von Swissoil, dem Dachverband der Brennstoffhändler in der Schweiz. Und im Klimapapier der Partei von anno 2009 wird der menschgemachte Klimawandel trotz aller anders lautender wissenschaftlicher Erkenntnisse nach wie vor in Zweifel gezogen.

Insofern passt es ins Bild, dass sich Parteiexponenten wie Roger Köppel gerne darüber lustig machen, wenn engagierte Schüler für einen besseren Klimaschutz auf die Strasse gehen.

Diese SVP-Strategie wird langfristig nicht aufgehen. Der Klimawandel und seine direkten Folgen – auch auf die Landwirte in der Region – bleibt ein grosses Thema. Genauso wie die Zuwanderung oder die Beziehung zur EU weiter beschäftigen werden. Dies aus mehreren Gründen.

Erstens haben sich die Schülerstreiks längst zu einer gut organisierten Bewegung ausgeweitet, schon am 6. April finden die nächsten Demonstrationen statt. Zweitens sind diverse politische Vorstösse in Vorbereitung oder bereits lanciert. Auch SVP-Politiker werden sich deshalb ständig Fragen zu Umweltthemen gefallen lassen müssen. Und drittens sind die Umwelt- und Klimaprobleme inzwischen einfach zu offensichtlich geworden, als dass man sie einfach ignorieren könnte.

Vielleicht sollte die SVP diesbezüglich mehr auf ihren zurücktretenden Regierungsrat Markus Kägi hören. Im Vorwort des Zürcher Umweltberichts schreibt er von einem «menschgemachten Klimawandel» und fügt hinzu: «Das Verschwinden der Arten vollzieht sich lautlos, es sei denn, wir schenken ihm unsere Aufmerksamkeit.»

Letzteres ist dringend nötig. Denn der Zustand, der in Kägis Bericht beschrieben wird, ist mehr als nur besorgniserregend. So ist etwa der Bestand der Feldlerche in den letzten zehn Jahren im Kanton Zürich um mehr als die Hälfte eingebrochen. Trotz einiger erfolgreicher Schutzmassnahmen sind heute insgesamt fast die Hälfte aller Arten bedroht. Besonders kritisch ist gemäss Bericht, dass bei vielen Arten die Anzahl der Individuen stark sinkt.

Eine besondere Verantwortung tragen dabei die Landwirte, da sie viel Fläche beanspruchen. Dass manche von ihnen nicht automatisch «grün» arbeiten, ist im Umweltbericht des Bundes nachzulesen. Stickstoff und Pestizide gelangen in zu grossen Mengen in die Umwelt. Ein ungelöstes Problem ist das Insektensterben.

Diese Entwicklungen bereiten längst breiten Kreisen Sorgen. Landwirte spüren Veränderungen in der Natur zuerst, das wurde insbesondere im Hitzesommer 2018 deutlich. Die SVP als ehemalige Bauernpartei wäre gut beraten, auf warnende Stimmen zu hören und ihre Position zu überdenken.

Erstellt: 29.03.2019, 15:59 Uhr

Rafael Rohner ist Regionalredaktor beim Landboten.

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