Leitartikel

Alle Hundehalter sollen Kurse besuchen

Ändert sich am 10. Februar das Hundegesetz? Redaktorin Katrin Oller legt dar, warum Hundekurse im Kanton Zürich Pflicht bleiben sollten.

Hundekurse nützen Hundehaltern, dem Sicherheitsgefühl der Bevölkerung und dem Wohl der Hunde.

Hundekurse nützen Hundehaltern, dem Sicherheitsgefühl der Bevölkerung und dem Wohl der Hunde. Bild: Sibylle Meier

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Einen Hund zu halten, zu erziehen und seinen Bedürfnissen gerecht zu werden, ist nicht leicht. Da sind Hundekurse eine grosse Hilfe. Derzeit sind sie obligatorisch für Halter von grossen oder massigen Hunden – und das soll so bleiben.

Die bürgerliche Mehrheit im Kantonsrat will das Kursobligatorium aus dem Hundegesetz streichen, weil die Kurse nichts nützten. Es sei kein Rückgang der Beissvorfälle feststellbar. Das ist richtig. Allerdings unterscheidet die Statistik des Veterinäramtes nicht zwischen kleinen und grossen oder massigen Hunden. Die Zahlen – die erheblich schwanken – lassen also kein Urteil zu über die Frage, über die das Volk nun befindet. Einzig eine Stichprobe des Veterinäramtes für 2013 und 2017 zeigt, dass die Beissquote – die Anzahl Bisse pro 1000 Hunde – bei den grossen Tieren gesunken ist. Dies kann für das Hundekursobligatorium sprechen.

«Auch kleine Hunde können gehörig zubeissen. Vor allem, wenn sie falsch gehalten werden.»Katrin Oller, Redaktorin Zürich

Die Bürgerlichen sagen, Zwang bringe nichts, sondern führe nur dazu, dass sich diejenigen vor der Kurspflicht drücken, die es nötig hätten. Das wird ohne Zwang aber genau so bleiben. Wenn man weiss, dass ein Hundekurs einfach dazugehört, wenn man sich ein neues Tier anschafft, wird dies zur Normalität. Jeder Jogger kann davon ausgehen, dass ein Hundehalter wissen sollte, wie er sein Tier kontrollieren kann, und kein Hundehalter kann sich wundern, dass er einen Kurs besuchen muss. Entsprechend fühlen sich alle sicherer. Selbst den Hunden geht es besser, wenn ihre Halter von Profis geschult wurden.

Dies bedingt, dass die Kurse für alle Hundehalter obligatorisch werden. Das empfehlen auch die Tierschutzverbände und die Hundekursleiter. Es ist für sie nicht verständlich, warum zwischen kleinen und grossen Hunden unterschieden wird. Natürlich ist ein Biss von einem Deutschen Schäfer gravierender, aber auch ein Jack Russell Terrier, ja selbst ein Chihuahua kann gehörig zubeissen. Vor allem, wenn er falsch gehalten wird. Hinzu kommt, dass – wohl auch wegen des Kursobligatoriums – die Zahl der kleinwüchsigen Hunde im Kanton Zürich gestiegen ist, während die grossen Hunde weniger wurden. Und diese kleinen Hunde beissen immer öfter Menschen. Das zeigt die Beissquote, die das Veterinäramt ausgerechnet hat: 2017 war diese höher als 2013.

Einen Hundekurs für alle will auch der Regierungsrat. Er will die derzeit recht unübersichtlichen Hundekurse im Kanton vereinheitlichen, verkürzen und für alle Hundehalter obligatorisch machen. In den Theoriekurs von zwei Lektionen müssen nur noch diejenigen, die sich zum ersten Mal einen Hund anschaffen.

Das wäre eine vernünftige Anpassung, statt dem Hü und Hott, das das Hundegesetz bisher erfahren hat. 2008 beschloss der Kantonsrat unter der Federführung der Bürgerlichen eines der strengsten Hundegesetze des Landes. Dies unter dem Eindruck des tragischen Vorfalls von 2005 in Oberglatt, als ein Kind von drei Kampfhunden getötet wurde. Nur knapp zehn Jahre später wollen die Bürgerlichen wieder zurückbuchstabieren, bevor sich das Kursobligatorium überhaupt bewähren konnte.

Damit die Anpassungen des Regierungsrats umgesetzt werden können, müssen die Stimmberechtigten am 10. Februar Nein sagen zur Abschaffung des Kursobligatoriums.

Erstellt: 28.01.2019, 10:46 Uhr

Katrin Oller, Redaktorin Zürich

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