Leitartikel zum neuen Jahr

Ausgehen und ausprobieren statt nur jammern

Das Gejammer darüber, dass die lokalen Restaurants, die örtlichen Kulturinstitutionen, die hiesigen Sportclubs und die heimischen Läden zu wenig Zulauf haben, ist weit verbreitet. Dabei gäbe es ein einfaches Gegenmittel.

Die Steinberggasse gehört zu den beliebten Plätzchen für einen Trunk jeglicher Art.

Die Steinberggasse gehört zu den beliebten Plätzchen für einen Trunk jeglicher Art. Bild: Marc Dahinden

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Dieser Neujahrsvorsatz ist vielleicht ziemlich unsportlich und auch nicht gut für die Linie. Dafür garantiert er gute Unterhaltung. Als Jahresziel 2020 schlagen wir vor: Gehen Sie mehr in Winterthur und Region in den Ausgang! Kehren Sie in Beizen ein, schwelgen Sie im Kulturleben. Machen Sie sich eine Liste: Nachtessen im Restaurant um die Ecke, Besuch im Theater, Match mit Bier in Halle oder Stadion, Ausstellung mit anschliessendem Apéro im Museumskafi, Einkaufsbummel in der Marktgasse – und haken Sie alles in den nächsten paar Monaten ab.

Der Grund für diesen Vorsatz: 2019 war das Jammern über den Niedergang in Winterthur und Region wieder einmal gross. Zum Beispiel in der Gastroszene, welcher der «Landbote» in diesen Tagen eine Themenserie widmet (hier nachzulesen). Da wurde teils Untergangsstimmung verbreitet, weil gleich mehrere Lokale in der Innenstadt dichtgemacht hatten, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Kommt hinzu, dass auch in mehreren Gemeinden der Region die Dorfbeizen ums Überleben ringen – oder diesen Kampf bereits verloren haben. Dabei fällt auf, dass in den Diskussionen die Unterstützung für die lokalen Restaurants jeweils gross ist. Wenn man nachfragt, wer letztmals in der Beiz um die Ecke ein Bier getrunken oder einen Tagesteller gegessen hat, herrscht oft betretenes Schweigen.

Ähnlich beim Theater: Alle wünschen sich eine lebendige Schauspielszene in der Stadt. Doch in die Vorstellung fährt man dann doch nach Zürich. Und auch der Verkauf der Aktien des Theaters Winterthur harzt bedenklich.

Dieser Aufruf soll jedoch kein Freipass für die lokalen Gastronomen, Ladenbesitzerinnen, Kultur- und Sportschaffenden sein, sich zurückzulehnen und ganz auf den Lokalpatriotismus zu setzen. Wer nichts bietet, muss sich nicht wundern, wenn die Winterthurerinnen und Winterthurer nach Zürich, Deutschland oder ins Internet abwandern. Aber trotzdem: Das hiesige Freizeitangebot wird zu gering geschätzt – nicht nur in der Aussenwahrnehmung, sondern auch von den Einheimischen. Dabei wäre es nicht schwierig, der Beiz um die Ecke oder der Ausstellung in der Stadt zumindest wieder einmal eine Chance zu geben. Der «Landbote» wird Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch im Jahr 2020 dabei begleiten.

Erstellt: 02.01.2020, 17:19 Uhr

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