Gedanken zum Feiertag

Taten der Hoffnung

Der reformierte Pfarrer Jörg Wanzek über Weihnachten als ein Fest der «guten Hoffnung».

«Im Zeichen der Hoffnung wurden wir gerettet. Eine Hoffnung aber, die man sieht, ist keine Hoffnung.» (Röm 8, 24.) Die Seawatch von Kapitänin Carola Rackete bei einem Rettungseinsatz im Mittelmeer.

«Im Zeichen der Hoffnung wurden wir gerettet. Eine Hoffnung aber, die man sieht, ist keine Hoffnung.» (Röm 8, 24.) Die Seawatch von Kapitänin Carola Rackete bei einem Rettungseinsatz im Mittelmeer. Bild: Federico Scoppa, AFP

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Carola Rackete, Kapitänin der Sea Watch 3, schildert in einem Buch eindrücklich, wie sie mit 40 Flüchtlingen über zwei Wochen lang vor der italienischen Insel Lampedusa festsass und nicht in den Hafen gelassen wurde. Wie es den Menschen an Bord immer schlechter ging. Wie die europäischen Staaten sich nicht einigen konnten, wer diese Flüchtlinge aufnehmen soll. Und der italienische Staat sie deshalb nicht an Land liess.

Die Menschen an Bord und die Crew schwanken zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Am Tag 16 verliert Carola Rackete den Glauben an das Verantwortungsbewusstsein der Regierungen. Und handelt. Sie fährt in den Hafen ein, ohne Erlaubnis, und im Bewusstsein, dass sie zunächst festgenommen wird. Aber: Die 40 Flüchtlinge können endlich an Land. Sie hatte aufgehört, auf die Regierungen zu hoffen – und gehandelt. Deshalb hat sie ihr Buch mit dem Titel versehen: «Handeln statt hoffen».

Die Kraft der Hoffnung

Ich würde es gerne anders nennen: Carola Rackete hat eine ‹Tat der Hoffnung› begangen. Ich glaube, dass Hoffen und Handeln keine Gegensätze sind, sondern eng zusammengehören. Aber wir verhalten uns vielfach anders. Wir stehen da, mit Händen im Hosensack, handeln nicht, und warten darauf, ob es eine Entwicklung in die richtige Richtung gibt. Dass wir darin versichert werden, dass alles gut geht. Aber ist die Frage nach Erfolg immer die richtige, um zu handeln?

Hoffen heisst, darauf vertrauen, dass das, was wir tun, sinnvoll ist, so oder so.

Hoffnung garantiert nicht den guten Ausgang der Dinge. Hoffen heisst vielmehr, darauf vertrauen, dass das, was wir tun, sinnvoll ist, so oder so. Eine hoffnungsvolle Tat ist vielleicht unvernünftig, aber gleichzeitig spüren wir gerade darin ihre Kraft, die Welt zu verändern, weil wir merken, dass sie eben trotz aller widrigen Umstände richtig ist. Deshalb hat das Handeln einer jungen Frau wie Carola Rackete die Kraft, andere Menschen zu Taten der Hoffnung zu bewegen. Sie fordert uns im wahrsten und besten Sinne heraus.

Hoffnung steht nicht am Schluss einer Entwicklung. Sie steht am Anfang. Sie ist das zuversichtliche «Trotzdem». Sie ist das glückliche «Aber». Mit ihr beginnt die Geschichte von Jesus Christus in der Bibel: mit Maria, einer jungen, schwangeren Frau, die trotz allem «guter Hoffnung» ist. Die eigentlich gesteinigt oder zumindest ausgestossen gehörte unter der damaligen Gesetzgebung.

Die Menschwerdung Gottes, die wir an Weihnachten feiern, beginnt mit «guter Hoffnung». Und sie erlebt in der Folge alle Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens. Sie schliesst auch all die vielen «Taten der Hoffnung» mit ein, die nicht von Erfolg gekrönt waren; die Situationen, in denen der Mut zu einer «Tat der Hoffnung» gefehlt hat; und die Vielen, für die eine «Tat der Hoffnung» zu spät kam. Deshalb sind die Kerzen, die wir an Weihnachten anzünden, verbunden mit dem Licht, das in der Auferstehung am Ostermorgen für uns angezündet wurde. Es ist Gottes «Tat der Hoffnung», die uns aufleben lässt und uns selbst ermutigt zu «Taten der Hoffnung».

Erstellt: 23.12.2019, 14:10 Uhr

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Jörg Wanzek ist Pfarrstellvertreter in der reformiertem Kirchgemeinde Seen.

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