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Messekonzern MCH wird Risiko für den Steuerzahler

Die MCH Group muss wegen des Coronavirus wichtige Messen streichen. Dabei sitzt der Messebetreiber bereits auf einem Schuldenberg.

Die wichtigste Messe, die Art Basel, ist Mitte Juni. Auch Brad Pitt hat diese bereits besucht. Foto: Keystone
Die wichtigste Messe, die Art Basel, ist Mitte Juni. Auch Brad Pitt hat diese bereits besucht. Foto: Keystone

Nun trifft das ein, was für den Messekonzern MCH Group riskant ist: Ihr droht 2020 wegen des Coronavirus ein weiteres negatives Geschäftsjahr. Damit gerät die Gruppe wegen der schon bestehenden Schuldenlast noch mehr in Bedrängnis und in Zeitnot: Sie muss sich möglichst schnell anders aufstellen. Beteiligt an ihr sind Basel-Stadt, Baselland sowie Kanton und Stadt Zürich. Zusammen halten sie 49 Prozent.

Abgesagt für dieses Jahr hat die MCH Group die Baselworld, eine ihrer wichtigsten Veranstaltungen. Sie hätte Ende April stattfinden sollen, musste aber vergangene Woche wegen des Coronavirus verschoben oder gestrichen werden, genauso wie die Giardina in Zürich und die Art Basel Hongkong. Auch die SmartSuisse Mitte März fällt aus. Weitere kleinere Schauen dieses Frühjahr wie etwa die Gesundheitsmesse Lebenskraft Ende März dürften ebenso dem Virus zum Opfer fallen. Die wichtigste Messe, die Art Basel, ist Mitte Juni. Die Kunstmesse ist wohl die profitabelste der Gruppe. Ob sie über die Bühne gehen kann, ist nicht mehr sicher.

Stabilität sei gewährleistet

«Wir klären gerade mit den Versicherungen ab, ob die Messeausfälle gedeckt sind», sagt MCH-Sprecher Christian Jecker. In jedem Fall sei jedoch die Stabilität des Konzerns gewährleistet: «Es ist nicht so, dass es für uns jetzt ums Überleben geht.» Der Basler Grossrat David Wüest-Rudin (GLP) warnt dagegen: «Die Situation ist besorgniserregend.» Es sei höchste Zeit, dass die Regierung endlich ihre Exit-Strategie vorlege, damit nicht ohne politische Diskussion laufend neues Steuergeld in die Messe gesteckt wird. Der Grosse Rat habe ihr dafür vor knapp einem halben Jahr den Auftrag erteilt.

Der Jahresabschluss 2019 der Messe ist noch nicht bekannt, im Halbjahr war der operative Gewinn mit 3,1 Millionen Franken auch ohne Messeabsagen schon knapp ausgefallen. Der Reinverlust belief sich auf 1 Million Franken. Die Verbindlichkeiten übertrafen mit 401 Millionen Franken das Eigenkapital um gut 700 Prozent. Als gesund gilt für eine Firma normalerweise ein Verschuldungsgrad von bis zu 200 Prozent. Allerdings ist die Messe ein Sonderfall, denn ein Teil ihrer Schulden sind bei der öffentlichen Hand. «Ich glaube nicht, dass die Gruppe in eine finanzielle Notlage gerät», sagt Erhard Lee zu dieser Zeitung. Er ist der grösste Privataktionär der MCH.

CS droht mit Ratingherabstufung

Die Credit Suisse droht MCH nach der Baselworld-Absage allerdings mit einer Ratingherabstufung. Dabei liegt es schon mit «Low BB» und negativem Ausblick auf Tiefniveau und verteuert die Aufnahme von Neugeld. Im Januar hatte die Messe ihre Halle 3 und das Musicaltheater in Basel an die Einwohnergemeinde verkauft und dafür einen «tieferen einstelligen Millionenbetrag» erhalten. Wie lange sie damit durch die Durststrecke kommt, wird sie bei der Bilanzmedienkonferenz am 1. April erläutern müssen.

Geplant ist auch der Verkauf der Sparte «Live Marketing Solutions», bei der rund 500 Mitarbeitende Dienstleistungen für grosse Events erbringen. Privatinvestor Lee sieht die aktuelle Viruskrise sogar positiv. «Sie treibt die Messe dazu, endlich vorwärtszumachen, um neue Partner für den Ausbau des internationalen Geschäfts zu finden.» Er hatte die Messe vor einigen Monaten in Erklärungsnot wegen erfolgloser jüngerer Projekte gebracht. Nun könnte ihm Corona helfen, die Messe rasch in die neue, von ihm angepeilte Richtung zu drängen.

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