Zum Hauptinhalt springen

Kolumne Landluft Mikro ausschalten und Schokolade
essen!

Über das Spicken im Zeitalter der Onlineprüfungen.

Die wöchentliche Kolumne der Regionalredaktion.
Die wöchentliche Kolumne der Regionalredaktion.
Cartoon: Ruedi Widmer


Wenn sie können, spicken Schülerinnen und Schüler. Das war schon immer so. Früher kritzelte man sich die nicht einprägsamen Formeln zum Beispiel auf die Etikette der Wasserflasche, in den Freiraum eines Tattoos oder auf eine Schokolade, die man am Ende der Prüfung aufgegessen hat.

Doch wie schummelt man heute, im Zeitalter der Onlineprüfungen? Uns Menschen vom Land nimmt das wunder. Wie haben das die 133 ertappten ZHAW-Studierenden angestellt, als sie ihre Onlineklausuren angesichts der Corona-Schutzmassnahmen zu Hause am Schreibtisch ablegen mussten?

Wir googeln «spicken» und «online». Innert Sekunden spuckt die Suchmaschine ein Resultat zu unserer Anfrage aus. So direkt hätten wir es gar nicht erwartet: «Spicken in der Uni: die besten Spicker-Tricks für Onlineklausuren». So lautet der oberste Eintrag auf der Seite, der zu einer Website gehört, die unter anderem akademisches Ghostwriting anbietet.

Den ultimativen Spick-Tipp finden wir hier auf Anhieb zwar nicht. Doch der Fall ist klar: Onlinespicken ist viel einfacher als die herkömmliche Spickerei und Flüsterei in unseren Schulen auf dem Land. Man muss einfach das Mikrofon ausschalten und das Resultat gemeinsam suchen. Das gehe natürlich nur, solange keine Videoüberwachung stattfinde, warnt die Website.

Google spuckt noch mehr Interessantes aus. Zum Beispiel, dass bei Kindern, die bei einer Prüfung in der Schule schummeln, die Wahrscheinlichkeit dreimal grösser ist, dass sie auch als Erwachsene lügen oder betrügen. Was das wohl für Schlüsse über die Betriebsökonomen und Wirtschaftsjuristen zulässt, von denen an der ZHAW besonders viele geschummelt haben?