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Italiens getöteter BotschafterMilizionäre legen Hinterhalt im Nationalpark

Bei einem Entführungsversuch einer bewaffneten Miliz im Osten der Demokratischen Republik Kongo kommen der erst 43-jährige Diplomat Luca Attanasio, sein Leibwächter und der Fahrer um.

Schnelle Karriere: Luca Attanasio war einer der jüngsten Botschafter im Diplomatischen Korps Italiens.
Schnelle Karriere: Luca Attanasio war einer der jüngsten Botschafter im Diplomatischen Korps Italiens.
Foto: Italienisches Aussenministerium

Im Osten des zentralafrikanischen Landes Kongo ist bei einem Überfall der italienische Botschafter, ein Carabiniere und ihr Fahrer getötet worden. Der Diplomat Luca Attanasio, 43 Jahre alt, aus Saronno bei Mailand, war unterwegs zu einem Projekt des World Food Programms im Nationalpark Virunga im Länderdreieck zwischen Kongo, Uganda und Ruanda, etwa 2500 Kilometer entfernt von Kinshasa, als eine bewaffnete Miliz den Konvoi mit mehreren Wagen angriff. Rangers des Nationalparks, der berühmt ist für seine Berggorillas, lieferten sich einen Schusswechsel mit den Angreifern. Mehrere Passagiere wurden verletzt. Attanasio erlitt Bauchschüsse, er starb im Spital von Goma.

Eine gefährliche Gegend

Die kongolesischen Behörden nehmen an, dass es sich bei dem Überfallkommando um eine ruandische Gruppe gehandelt haben könnte, die den Botschafter kidnappen wollte. Offenbar wussten sie von der Mission und hatten es gezielt auf Attanasio abgesehen. Immer wieder kommt es vor, dass Milizen die Grenzen überqueren und Menschen entführen. Allein in den vergangenen drei Jahren sind in der Gegend mehr als 170 Menschen entführt worden, wie Human Rights Watch berichtet. Meistens sind die Opfer Frauen, sie werden geschlagen, gefoltert und vergewaltigt, bis sie gegen die Bezahlung von Lösegeld freigelassen werden.

Angespannte Ruhe nach dem Angriff: Marokkanische Soldaten der UNO-Mission zur Stabilisierung des Kongo, Monusco, sichern den Tatort bei Goma.
Angespannte Ruhe nach dem Angriff: Marokkanische Soldaten der UNO-Mission zur Stabilisierung des Kongo, Monusco, sichern den Tatort bei Goma.
Foto: Alexis Huguet (AFP)

Die italienischen Medien zeigten Fotos, die den Botschafter vor der Reise in den Nationalpark zeigen: locker im T-Shirt, Sonnenbrille im Gesicht, das Handy schaut aus der Hosentasche. Attanasio war einer der jüngsten Botschafter im Diplomatischen Korps Italiens, er hatte aussergewöhnlich schnell Karriere gemacht. Seine drei Töchter sind noch klein. Eine kam auf die Welt, da war die Familie schon im Kongo stationiert.

Karrierebeginn in Bern

Vor seiner Entsendung nach Kinshasa 2017 war der studierte Betriebswirt auf Posten in Nigeria. Begonnen hatte er seine Laufbahn als Handelsbeauftragter in der Botschaft in Bern, danach war er Generalkonsul in Casablanca. Dort lernte er seine Frau kennen: Zakia Seddiki leitet die humanitäre Organisation «Mama Sofia», die sich um das Schicksal von Frauen und Kindern in Afrika kümmert, etwa mit ambulanten Kliniken.

Für seinen Einsatz hatte das Paar im vergangenen Herbst einen Friedenspreis erhalten, der in Italien vergeben wird. Attanasio sagte damals in seiner Rede: «Die Mission eines Botschafters ist manchmal eine gefährliche, doch wir stehen in der Pflicht, beispielhaft zu sein.»

Die Nachricht von der Ermordung des Botschafters, von dessen 30-jährigem Leibwächter und dem Fahrer schockt Italien. Staatspräsident Sergio Mattarella sprach von einem feigen Angriff, das Land sei in Trauer um die drei Männer. Aussenminister Luigi Di Maio brach eine Konferenz in Brüssel ab, um nach Rom zurückzukehren. Er versprach, das Parlament über die Hintergründe des Hinterhalts zu informieren.

4 Kommentare
    Kuno K.

    Die Kongolesen haben Glück, dass es ein Italiener war. Hätten sie einen amerikanischen Botschafter erwischt, das Land läge längst in Schutt und Asche.