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Mit Kraut und Stiel verzehren

Esther Kern,Genussexpertin und Foodautorin, stellte in einer Lesung mit Degustation ein Kochbuch mit Rezepten aus Gemüseteilen wie Kraut, Stiel und Wurzel vor. Ein kulinarisches Erlebnis und Genuss für das Publikum.

Esther Kern (links) erzählte über die Entstehungsgeschichte des Buches und ihre Erfahrungen mit dem Verkochen von Blättern und Wurzeln. Grafikerin Ursula Gebendinger hörte interessiert zu und schaute das Buch mit fachkundigen Augen an.
Esther Kern (links) erzählte über die Entstehungsgeschichte des Buches und ihre Erfahrungen mit dem Verkochen von Blättern und Wurzeln. Grafikerin Ursula Gebendinger hörte interessiert zu und schaute das Buch mit fachkundigen Augen an.
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Frisches Gartengemüse verströmte am Dienstagabend in der Bibliothek Embrach seinen herrlichen Duft. Rüebli mit Kraut, Fenchel mit der Wurzel dran, Rosen­kohl mit Blüten lagen, gluschtig arrangiert, auf einem Tisch. Foodautorin Esther Kern aus Freienstein begrüsste über vierzig Besucher. Sie alle waren interessiert zu hören, wie die Gastro-Journalistin neue Wege in der Zubereitung von Gemüse erforschte. Als Apéro durften die Besucher einen feinen Gurkensaft, aus der Schale der Gurke, wie Kern später verriet, probieren.

In den Kochtopfstatt auf den Kompost

«Inspiriert wurde ich vom Kochtrend ‹From Nose to Tail›, der das Kochen von verschmähten Teilen wie Innereien thematisiert», erzählte Kern. Das­selbe wollte sie für Gemüse, das in heimischen Gärten wächst, erforschen. «Mich interessierte, wie man zum Beispiel das Kraut von Radieschen verwenden kann. So begann ich zu experimentieren und auszuprobieren», fasste sie die Idee zusammen.

Zwei Jahre arbeitete sie mit Pascal Haag, einem der bekanntesten Vertreter der vegeta­rischen Küche in der Schweiz, zusam­men. Ins richtige Licht rückte der Fotograf Sylvan Müller die aussergewöhnlichen ­Menüs. Das Buch ist in Themenbereiche aufgegliedert wie Blatt und Kraut, Stiel und Rippe oder Wurzel und Knolle. Vorschläge von der Vorspeise bis zum Dessert sind aufgeführt.

Zwischen Kerns Erläuterungen servierten die vier Damen der Embracher Bibliothek kleine Häppchen, die Kern vorbereitet hatte. Mit Neugier verkostete das mehrheitlich weibliche Publi­kum die Müsterchen. «Köst­lich, was man dar­aus kochen kann, was in den allermeisten Fällen auf dem Kompost landet. Das mundet mir sehr», sagte Besucherin Ursula Gebendinger aus St. Gallen.

Würdigungder Gemüsepflanzen

Die Frage, ob das Kraut nicht giftig sei, hört Esther Kern oft. Die 48-Jährige versicherte: «Ich habe alle Rezepte selber gekocht und gegessen. Und wie Sie sehen, lebe ich noch», sagte sie und lachte. Dennoch empfiehlt sie, sich langsam an die ungewohnten Gemüseteile heranzutasten. Ein Tipp lautete, zu Anfang das Grün und die Blätter in kleinen Mengen als Kräuter in Saucen beizumischen.

Ursula Gebendinger war von der Art und Weise des Kochens, wie Esther Kern dies zelebrierte und beschrieb, sehr angetan. ­«Somit wird man dem Gemüse gerecht und würdigt es angemessen», sagte sie. Die Grafikerin und visuelle Gestalterin schaute das Buch mit fachkundigen Augen an. «Die Fotos sind aufwendig und schön gestaltet, die Rezept­vorschläge klingen interessant», beurteilte sie.

«Damit werde ich mich ausgiebig befassen.» Die Bibliothekarin Trudi Polak zeigte sich zufrieden mit dem unkonventionellen Lese­abend. «Heute sind etliche Menschen gekommen, die ich noch nie in unserer Bibliothek gesehen habe. Das Thema hat Menschen angezogen, die in Sachen Gemüse offen sind, neue Wege zu gehen.»

Das Gemüse sei aus dem ­Schatten des Fleisches getreten, schreibt die Autorin im Buch, welches durchaus als Hommage an die Gemüsepflanzen verstanden werden kann. Unser Ziel ist kein Geringeres, als die Gemüseküche zu revolutionieren und das kollek­tive Wissen zu erweitern, schreibt die Journalistin weiter.

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