Bassersdorf

Mit Tambourin und Rossgespann zur Kyburg

Immer am Freitag nach dem Schmutzigen Donnerstag findet in Bassersdorf die «Bubenfastnacht» mit einem Marsch statt. Der Weg der gut 55 «Narrenkrieger» führte zur Kyburg. Dort wurden sie vomehemaligen Nationalratspräsidenten Max Binder empfangen.

Eine bunt gemischte Truppe, die sich «Narrenkrieger» nennt, machte sich auf in Richtung Kyburg – mittelalterlich eingekleidet, so wie es der Brauch verlangt.

Eine bunt gemischte Truppe, die sich «Narrenkrieger» nennt, machte sich auf in Richtung Kyburg – mittelalterlich eingekleidet, so wie es der Brauch verlangt. Bild: Fancisco Carrascosa

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Punkt neun Uhr bricht die bunte Truppe vom Dorfplatz in Bassersdorf auf: Hörner werden geblasen, Trommeln geben den Marschtakt an. Begleitet von hupende Autos und neugierigen Passanten, verabschieden sich die «Narrenkrieger», wie sie sich selber nennen, in Richtung der Kyburg. Sie haben einen langen Marsch von 14 Kilometer vor sich. Auf der Kyburg angekommen, werden sie vom ehemaligen Nationalratspräsident Max Binder aus Effretikon empfangen.

An vorderster Front mit dabei ist Brigitt Siber, als erster Pajass. Der Pajass oder Bajazzo ist eine traditionelle Narrenfigur und verwandt mit dem Harlekin der italienischen «Commedia dell’arte». Für den Marsch der Bubenfastnacht ist es dessen Aufgabe, das Ziel zu bestimmen, die Route auszuwählen und auch sonstige organisatorische Aufgaben in Angriff zu nehmen. Dies in Zusammenarbeit mit seinem zweiten Pajass.

Jeder darf mitmarschieren –wenn er den Obulus zahlt

Brigitte Siber schätzt es, dass so viele verschiedene Leute an der Bubenfasnacht zusammenkommen. «Wir sind keine feste Gruppe, jeder, der Lust hat, kann kommen – auch noch spontan.» Gerade heutzutage, wo alles so kompliziert sei, sei dies sehr erfrischend.

Einzige Bedingung für die Teilnahme ist die Bezahlung eines Obulus von 50 Franken, die Ausdauer, die Strecke zu Fuss bewältigen zu können und das Tragen eines angemessenen Tenüs. Und dies scheint sehr gut zu klappen: Denn jeder der 55 teilnehmenden «Narrenkrieger» ist ein mittelalterliches Gewand gekleidet, teils sogar mit der dazu passenden Waffen.

Tradition nach 50 Jahrenwiederbelebt

Die Tradition der Bassersdorfer Bubenfastnacht reicht bis Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Im Jahr 1883 wird sie das erste Mal erwähnt. Am Fasnachtsmontag zogen jeweils knapp 50 Männer aus und marschierten zu einem der umliegende Bezirkshaupt-orte wie Bülach, Dielsdorf oder auch Uster. Vermutlich geht der Brauch zurück auf die Musterung der jungen und wehrfähigen Männer, um sie für Truppen und Söldnerdienste anzuwerben. Ab dem Jahre 1933 fand die Bubenfastnacht aufgrund des Einspruchs eines Lehrers jedoch nicht mehr statt.

Die Tradition ging beinahe verloren, bis Urs Wegmann für das 50-jährige Jubiläum der Bassersdorfer Fasnacht über ihre Brauchtümer recherchierte. Sein Grossvater war der letzte Bassersdorfer, der noch bei einem der alten Märsche mitgelaufen war und durch ihn kam er auf die Idee, die Bubenfasnacht wieder aufleben zu lassen.

Obschon zuerst geplant war, den Marsch lediglich einmalig für das Jubiläum durchzuführen, stiess dieser auf so viel Anklang, dass der im Volksmund auch genannte «Bubenmarsch» nun alljährlich stattfindet. Da die meisten umliegenden Bezirkshauptorte seit 2006 bereits einmal besucht wurden, entschied sich der Pajass dieses Jahr für den Marsch auf die Kyburg.

Von Schulklassen bis Seniorenregelmässig mit dabei

Trotz des Names «Bubenfastnacht» ist der Anlass heute bunt durchmischt: Es nehmen Frauen wie Männer teil. Und auch Altersmässig ist die Truppe durchmischt. Zu den Teilnehmern gehört auch Andrin Hasler: «Ich war das erste Mal mit meiner Schulklasse dabei. Seither gehe ich jedes Jahr als Tambour mit.» «Er findet es schön, dass dieser Brauch wieder auflebt. Man komme mit so vielen unterschiedlichen Leuten in Kontakt. «Die Bassersdorfer Fasnacht ist bestimmt der Höhepunkt unseres Dorflebens», ergänzt er.

Um 16 Uhr haben es die tapferen «Narrenkrieger» schliesslich geschafft und nach einem zünftigen Zmittag am Feuer die Kyburg erklommen. «Nun werden wir noch gemütlich zusammensitzen, die Sonnenstrahlen geniessen und von unseren Heldentaten berichten», sagt Brigitt Siber strahlend.

Erstellt: 24.02.2017, 17:29 Uhr

Tambouren gaben den Takt für den 14 Kilometer langen Marsch an. (Bild: Francisco Carrascosa)

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