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Theater WinterthurMit Tschechow gegen die Krise

Elias Perrig inszeniert für das Theater Kanton Zürich den «Kirschgarten». Der Klassiker hat keine Aktualisierung nötig, um aktuell zu sein.

Still zu sitzen ist er sich nicht gewohnt: Lopachin (Manuel Herwig) ist beim Lesen eingeschlafen und wird von Warja (Miriam Wagner) sanft gebettet.
Still zu sitzen ist er sich nicht gewohnt: Lopachin (Manuel Herwig) ist beim Lesen eingeschlafen und wird von Warja (Miriam Wagner) sanft gebettet.
Foto: Judith Schlosser

Arbeit gibt dem Leben Sinn? Das scheint nicht zu gelten für die russische Oberschicht um 1900, nicht für die Figuren in Tschechows Komödie «Der Kirschgarten». Der Einzige, der hier arbeitet, ist Lopachin, der Sohn eines Bauern, der als Kaufmann reich geworden ist. Doch auch er arbeitet sozusagen nicht freiwillig, denn nur so hält er den Gedanken aus, dass das Leben vorübergeht: «Wenn ich arbeite, hart arbeite, ohne Pause, bin ich abgelenkt, und alles wird leichter, und manchmal glaube ich sogar, dass ich weiss, wozu ich existiere.»

Die Menschen um ihn herum sind anders. Sie schweben in einer Wolke aus Gefühlen, sie hoffen, trauern und malen sich ihr Glück aus, und oft wissen sie nicht, ob nicht alles nur ein Traum ist. Dazu reden sie und trinken Kaffee, etwas anderes fällt ihnen nicht ein. So verhält sich im Grunde auch der ewige Student Trofimow, der Reden über den unaufhaltsamen Fortschritt der Menschheit hält und sich über Gefühlsangelegenheiten erhaben glaubt.

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