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Morales hat sich sein Ende selbst zuzuschreiben

Boliviens Präsident hat vieles richtig gemacht. Doch fatalerweise glaubte er, ohne ihn gehe es nicht. Jetzt erhält er die Quittung.

Boliviens Präsident Evo Morales während einer Pressekonferenz. (9. November 2019) Bild: Juan Karita/AP
Boliviens Präsident Evo Morales während einer Pressekonferenz. (9. November 2019) Bild: Juan Karita/AP

Als Präsident Boliviens hat Evo Morales vieles richtig gemacht. Das ärmste Land Südamerikas verzeichnet ein für die Region überdurchschnittliches Wachstum. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas hat Morales ein bescheidenes Sozialsystem finanziert, das den Ärmsten zugutekommt. Die indigene Bevölkerungsmehrheit ist durch ihn politisch sichtbar geworden. Doch fatalerweise glaubte der Präsident deshalb, ohne ihn gehe es nicht. Er hat, um weiterregieren zu können, mehrmals die Verfassung gebeugt und die Demokratie beschädigt. Dafür erhält er jetzt die Quittung.

Bolivien war seit der Wahl vom 20. Oktober in Aufruhr. Nicht nur die Opposition, auch viele seiner früheren Anhänger warfen Morales Wahlbetrug vor, zu Recht, wie sich herausstellte: Den Ausschlag gaben die Prüfer der Organisation Amerikanischer Staaten, die am Sonntag klar feststellten, dass bei der Wahl geschummelt worden war. Als sich am Schluss das Militär noch gegen den Präsidenten wandte, stand fest, dass die Ära Morales nach 13 Jahren zu Ende war.

Nun spricht die Linke nicht nur in Bolivien, sondern in ganz Lateinamerika von Putsch, und in der Tat umgibt diesen Abgang ein übler Odem von Brandschatzung und politischer Zündelei. Doch das hat sich Morales am Ende selbst zuzuschreiben. Wäre er rechtzeitig abgetreten oder hätte einen Nachfolger in den eigenen Reihen mit guten Wahlchancen aufgebaut, hätte er sich in Ehren zurückziehen können, ohne dass der Volkszorn kocht. So funktioniert nun mal demokratische Politik. Die Mehrheit der Bolivianer hätte Evo Morales als einen ihrer wenigen guten Präsidenten in Erinnerung behalten können. Oder als einen, der es wenigstens versucht hat.

Doch Morales wollte mehr, er wollte die unendliche Macht. Jetzt hat er damit sein eigenes Lebenswerk beschädigt und ein Land in Flammen hinterlassen. Immerhin hat Boliviens vielfältige Gesellschaft gezeigt, dass ihr Demokratie wichtig ist, im Zweifelsfall wichtiger als eine fragwürdige Stabilität unter einem immer einsamer und realitätsferneren werdenden Caudillo. Mit seinem schnellen Rückzug am Sonntag hat Morales wenigstens gezeigt, dass er nicht ist wie Nicolás Maduro in Venezuela, der sich mit allen Mitteln an die Macht klammert, obwohl in seinem Land abgründige Zustände herrschen. Diesen vorläufig letzten Dienst hat Evo Morales Bolivien noch erwiesen.

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